120 MINUTEN mit … : Franck Ribéry

Im zweiten Anlauf siegt der Franzose in Berlin

Sven Goldmann

Wieder ein Endspiel in Berlin für Franck Ribéry. Diesmal im roten Trikot des FC Bayern. Vor bald zwei Jahren trug er hier das weiße Hemd der französischen Nationalmannschaft, es war das bisher wichtigste Spiel seiner Karriere und endete mit einer Niederlage im WM-Endspiel gegen Italien. Beim finalen Elfmeterschießen war Ribéry zum Zuschauen verurteilt, ausgewechselt ausgerechnet gegen Trezeguet, den einzigen Fehlschützen. Er hat also etwas gutzumachen.

Die ersten Schritte sind verhalten, vielleicht ein Test, ob der geprellte rechte Fuß der Belastung standhält. Manchmal bleibt er stehen und schaut den Kollegen zu. Aber dann macht er plötzlich Tempo. Keiner führt den Ball so eng, mit so kleinen, schnellen Schritten. Nach zehn Minuten tritt Ribéry zum ersten Mal an, ist schneller als Rukavina und spielt in die Mitte auf Luca Toni, der den rechten Fuß hinhält – 1:0. Ein Tor so einfach und doch so schön, wie es die beiden in dieser Saison schon so oft fabriziert haben.

Jetzt ist Ribéry im Spiel. Immer öfter fordert er den Ball und setzt an zum Dribbling, manchmal gegen einen, öfter gegen zwei oder drei Dortmunder. Ribéry nimmt sich viel vor, manchmal zu viel, öfter als gewohnt enden seine Aktionen in gegnerischen Abwehrbeinen. Erst in der zweiten Halbzeit steigert er seine Produktivität wieder. Einen Eckball von der linken Seite zirkelt Ribéry auf den Kopf von Klose, aber der Ball fliegt am Tor vorbei. Ein paar Minuten später wiederholt sich das Spielchen. Wieder schlägt Ribéry eine Ecke, wieder köpft Klose, diesmal klärt Blasczykowski auf der Linie.

Ribéry ändert seinen Stil, sucht nicht mehr so oft den Zweikampf und verteilt die Bälle in der Etappe. Eine Viertelstunde vor Schluss bekommt er noch einmal die Chance, sich in Szene zu setzen. Ribéry kommt im Strafraum zum Schuss, aber Dortmunds Torhüter Marc Ziegler hält. Das Podest für die Siegerehrung steht schon bereit, da schafft Petric in der Nachspielzeit noch den Ausgleich. Ribéry schaut ungläubig von der Mittellinie aus zu.

Das Drama von 2006 scheint sich zu wiederholen. Diesmal erlebt es Ribéry bis zum Schluss. Seine Schritte werden immer schwerer, aber er muss durchhalten, Trainer Hitzfeld will in dieser heiklen Phase nicht auf die Inspiration seines begabtesten Spielers verzichten. Einmal noch zieht er einen Sprint an, aber der eingewechselte Lukas Podolski spielt ihn nicht an, er schießt selbst, trifft Luca Toni, und von dessen Fuß prallt der Ball zum 2:1 ins Tor. Eine Viertelstunde später ist Schluss, und der Franzose hat nicht einmal mehr die Kraft, seine Arme zum Jubeln hochzureißen. Franck Ribéry hat schon sehr viel besser gespielt, auch in Berlin vor bald zwei Jahren gegen Italien, aber dieses Finale beendet er als Sieger. Das wird bleiben. Sven Goldmann

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