2. Bundesliga : Union gibt sich kampflustig gegen St. Pauli

Der 1. FC Union empfängt am Sonnabend das auswärts starke Team des FC St. Pauli. Vor allem im Angriff müssen sich die Berliner etwas einfallen lassen.

Sebastian Schlichting
Jens Keller erwartet Pauli kompakt und schnell im Umschaltspiel.
Jens Keller erwartet Pauli kompakt und schnell im Umschaltspiel.Foto: dpa

Bald wird wieder Theater gespielt rund um den 1. FC Union. Es gibt zum einen das Stück „Und niemals vergessen – Eisern Union“, bei dem es um die Geschichte des Vereins geht. Zudem wird „Wir werden ewig leben“ aufgeführt, eine fiktive Fortsetzung der bisherigen Historie, die erstmals 2016 auf die Bühne gebracht wurde. Beide werden in der Vorweihnachtszeit in der Freiheit 15 in Köpenick erneut aufgeführt. Am vergangenen Donnerstag begann der Vorverkauf. Eine reale Fortsetzung der Zweiten Fußball-Bundesliga folgt bereits am heutigen Samstag in der Alten Försterei im Spiel gegen den FC St. Pauli (13 Uhr/live bei Sky). Da könnte das Motto „Wir werden ewig punkten“ heißen.

Union, im eigenen Stadion noch ungeschlagen, hat in den vergangenen Wochen reichlich Punkte eingesammelt, 13 von 15 möglichen. Damit ist man den angepeilten Rängen sehr nah gekommen. Der Bundesliga-Aufstieg soll nicht Fiktion sein, sondern ist das konkrete Ziel. Noch liegt Union wegen der vorübergehenden Schwächephase in der Startphase mit fünf Spielen ohne Sieg aber nicht wieder auf einem der ersten drei Plätze.

Dem Spiel des Vierten gegen den Fünften St. Pauli kommt eine besondere Bedeutung zu: Bei einem Sieg würde der Vorsprung auf den Verfolger aus Hamburg auf sechs Punkte anwachsen, Union zumindest bis Montag am 1. FC Nürnberg vorbeiziehen und so noch mehr Druck nach oben machen. Das wären mehrere Gründe für das Team von Trainer Jens Keller, mit einem guten Gefühl in die schon wieder anstehende nächste Länderspielpause zu gehen. Zumal danach in den Begegnungen bis Weihnachten abgesehen vom Bundesliga-Absteiger FC Ingolstadt zumindest von der Tabelle her einfachere Gegner warten. Heidenheim und Bochum auswärts sowie daheim Darmstadt und Dresden.

Am vergangenen Wochenende beklagte Union „zwei verlorene Punkte“ – so lautete der allgemeine Tenor nach dem Spiel beim MSV Duisburg (1:1). Ärgerlich war insbesondere, dass der Ausgleich sehr spät fiel. Aber „es wäre extrem vermessen, wenn wir uns als 1. FC Union kein Unentschieden erlauben könnten“, sagt Trainer Keller. Die Siegesserie ist gerissen, das Selbstvertrauen geblieben. „Wir haben weiter das Selbstverständnis und die Qualität“, sagt Keller. Das sieht St. Paulis Trainer Olaf Janßen ähnlich. Er schätzt Union als „die momentan stärkste Mannschaft der Zweiten Liga“ ein.

Kompakte Defensive, schnelles Umschaltspiel – so erwartet Keller den Gegner

Einen tabellarischen Schaden gab es durch das Remis in Duisburg ebenfalls nicht. Die vor den Berlinern liegenden Mannschaften schafften auch bestenfalls ein Unentschieden (Fortuna Düsseldorf und Holstein Kiel). Nürnberg verlor sogar und Union machte dadurch einen Punkt gut.

St. Pauli kommt mit der Empfehlung, auf gegnerischen Plätzen viel stärker aufzutreten als zu Hause: nur sechs kümmerliche Punkte waren es bisher am Millerntor, dagegen schon 13 auswärts. Sieg in Kiel, Sieg in Nürnberg, überhaupt erst ein Spiel verloren. Auswärts, das kann St. Pauli. Trainer Keller gewinnt dieser Statistik allerdings durchaus positive Dinge ab: „Das passt doch gut. Wir sind sehr heimstark. Also wird es ein tolles Spiel.“ Auf jeden Fall ein richtig stimmungsvolles von beiden Seiten. Anders als zuletzt die SpVgg Greuther Fürth – die nur einen kleinen Teil des Kontingents verkaufte, der Rest konnte von Union-Fans genutzt werden – macht St. Pauli den Gästeblock natürlich voll. Das Stadion ist komplett ausverkauft.

Kompakte Defensive, schnelles Umschaltspiel – so erwartet Keller den Gegner. „Selber spielen und unsere DNA auf dem Platz bringen“, nennt es St. Paulis Janßen. Sein Berliner Kollege warnt: „Da müssen wir aufpassen und Lösungen finden.“ Es müssen jedenfalls bessere Lösungen her als zuletzt in Duisburg. Dort wirkte das Angriffsspiel ziemlich einfallslos. Mit dabei ist wieder Verteidiger Kristian Pedersen, der seine Oberschenkelprobleme überwunden hat und in die Startelf zurückkehren wird.

Andere wie Steven Skrzybski müssen sich wohl weiter gedulden. Der 24-Jährige hatte seinen Stammplatz im Mittelfeld zuletzt an Akaki Gogia verloren. Dieser hatte zweimal hintereinander überzeugt und bekommt nun trotz eines nicht so starken Auftritts beim MSV eine weitere Chance. „Es läuft nicht immer alles gerade im Fußball, es gibt nicht nur Höhen. Daran wird er wachsen“, sagt Keller bezogen auf Skrzybski. Und allgemein: „Es geht nicht darum, was die, die hinten dran sind, nicht haben. Sondern es kommt drauf an, was die zeigen, die spielen.“ Das war größtenteils sehr ansprechend in den vergangenen Wochen.

So könnte Union spielen: Busk – Trimmel, Leistner, Schönheim, Pedersen – Kroos, Prömel, Hartel – Gogia, Polter, Hedlund.

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