3:1 in Cottbus : Dreimal Spitze: Hertha BSC bleibt oben

Andrej Woronin erzielt beim 3:1-Sieg der Berliner in Cottbus alle Tore für die Hertha. Inzwischen hat der Klub schon vier Punkte Vorsprung auf den Zweitplatzierten.

Stefan Hermanns[Cottbus]
FC Energie Cottbus - Hertha BSC Berlin
Alleine vorn. Andrej Woronin zieht mit Hertha dem Cottbuser Cagdan und der ganzen Bundesliga davon.Foto: ddp

Besondere Ereignisse erfordern besondere Reaktionen, ein Sieg von Hertha BSC im Ostderby gegen Energie Cottbus zum Beispiel. Nach dem 3:1 (2:1) im Stadion der Freundschaft versammelten sich die Berliner Fußballer auf dem Platz zum gemeinsamen Sing- und Tanzkreis. Manager Dieter Hoeneß wurde von der Mannschaft in die Mitte genommen, und plötzlich fing Hoeneß, der große, schwere Mann, an zu tanzen wie ein junger Gott: Er hüpfte auf und ab, warf Arme und Beine von sich. Herthas Kapitän Arne Friedrich hatte einen entsprechenden Wunsch an seinen Vorgesetzten herangetragen, „dem konnte ich mich nicht entziehen“, sagte Hoeneß. „Ich glaube, ich habe eine super Figur gemacht.“

Der erste Sieg beim Angstgegner seit fast sechs Jahren

Die ganze Mannschaft macht derzeit eine super Figur, allen voran Andrej Woronin, der in Cottbus alle drei Tore für die Berliner erzielte. Mit dem Sieg beim Angstgegner, dem ersten seit fast sechs Jahren, hat Hertha die Tabellenführung in der Bundesliga weiter ausgebaut. Vier Punkte haben die Berliner nun Vorsprung auf die Konkurrenz aus München, Hoffenheim, Wolfsburg und Hamburg. Sie bleiben mindestens für die nächsten beiden Wochen ganz oben – und stellen damit auf jeden Fall ihren Vereinsrekord ein. Erst einmal war Hertha drei Spieltage hintereinander Tabellenführer. „Es ist logisch, dass dann Träume wachsen“, sagte Hoeneß.

Nach einer Viertelstunde, beim Stand von 0:0, hatten die Cottbuser Fans die Berliner noch verspottet. „Ihr werdet nie Deutscher Meister“, sangen die Anhänger auf der Nordtribüne. Doch solche Prophezeiungen werden immer fragwürdiger, auch wenn die Cottbuser in einem aufregenden Spiel den besseren Start erwischten. In der vierten Minute musste sich Herthas Torhüter Jaroslav Drobny mächtig strecken, um einen Freistoß von Dimitar Rangelow zur Ecke zu lenken.

Droby unterlief ein lächerlicher Fehler

Es sah so aus, als könnte es wieder einmal ein guter Tag für den Tschechen im Tor der Berliner geben. Nach 20 Minuten aber unterlief ihm ein geradezu lächerlicher Fehler. Wieder gab es einen – wohl unberechtigten – Freistoß für Cottbus, Cagdas schickte den Ball an der Berliner Mauer vorbei genau in die Arme Drobnys. Doch Herthas Torhüter ließ den Ball durch sämtliche Extremitäten hindurch ins Tor rutschen. „Ich habe mich zu sehr auf den Spieler konzentriert, nicht auf den Ball“, sagte Drobny.

Es schien, als würde die schwarze Serie gegen Energie ihre Fortsetzung finden. Dass es nicht schon wieder eine Niederlage gegen den Nachbarn gab, hatte Hertha zunächst einmal unverschämtem Glück zu verdanken. Zehn Minuten nach dem 1:0 stand es eigentlich schon 2:0 für Energie. Nach einem Konter legte Stanislaw Angelow den Ball an Drobny vorbei auf Emil Jula, der stand acht Meter vor Herthas Tor frei, allein und unbedrängt – und schoss den Ball am Pfosten vorbei. „Den hab ich schon drin gesehen“, sagte Herthas Mittelfeldspieler Maximilian Nicu.

Vielleicht war das ein Zeichen. Wenn ja, dann hat Hertha es richtig gedeutet. „Die ganze Mannschaft hat gut reagiert und Charakter gezeigt“, sagte Trainer Lucien Favre. Nur vier Minuten nach Julas Fehltritt gelang den Berlinern der Ausgleich. Nach einer Flanke von Patrick Ebert gewann Woronin das Kopfballduell gegen Ivan Radeljic und überwand Torhüter Gerhard Tremmel zum 1:1. „Tore mit dem Kopf erzielt er nicht oft“, sagte Favre. Für den Ukrainer war es der achte Saisontreffer, den neunten ließ er direkt vor der Pause folgen – wieder mit psychologischer Nebenwirkung. Unmittelbar zuvor hatte Radeljic nach einer Ecke nur die Latte getroffen. Statt 2:1 für Energie stand es zur Halbzeit 1:2.

Herthas Fans zündeten Fackeln, das Spiel wurde unterbrochen

Andrej Woronin spielte zum ersten Mal überhaupt im Stadion der Freundschaft, er kennt die Vorgeschichte des Derbys nur aus Erzählungen, trotzdem war er bereits von der besonderen Stimmung infiziert. Seinen Treffer feierte er ausgiebig vor der Cottbuser Kurve, fortan wurde er ausgepfiffen. Herthas Fans frönten ebenfalls ihrer Lust an der Provokation: Mit einem Großeinsatz pyrotechnischer Erzeugnisse zwangen sie Schiedsrichter Fleischer dazu, die Partie für kurze Zeit zu unterbrechen.

In der zweiten Halbzeit konnte Woronin seine Sympathiewerte in der Lausitz sogar noch weiter verschlechtern. Kurz nach der Pause vergab er zwar die große Chance zum beruhigenden 3:1, in der Schlussphase aber erzielte er nach einem grandiosen Solo noch seinen dritten Treffer. „Er macht im Moment alles richtig“, sagte Manager Hoeneß. Für Maximilian Nicu hatte der Auftritt seines Kollegen schon etwas Unwirkliches: „Das ist fast wie bei uns auf der Playstation.“ Genauso unwirklich kommt manchen immer noch Herthas Höhenflug vor. Er ist aber echt.

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