Sport : 30 Mal Gold – und nun die CSU

Der Paralympics-Star Gerd Schönfelder hört auf

 Friedhard Teuffel
Skirennspringer. Gerd Schönfelder gehörte zu den dominanten Athleten. Foto: dpa/p-a
Skirennspringer. Gerd Schönfelder gehörte zu den dominanten Athleten. Foto: dpa/p-aFoto: picture alliance / dpa

Berlin - 20 Jahre Leistungssport, 30 goldene Medaillen, 40 Jahre alt – da kann man schon mal seine Karriere beenden, hat sich Gerd Schönfelder gedacht. „Ich wollte nicht weitermachen, bis ich fünfzig bin.“ Der erfolgreichste Behindertensportler überhaupt hört mit dem Leistungssport auf, allein 16 Goldmedaillen hat der Skifahrer aus Bayern bei Paralympics gewonnen.

Ein Rekord-Fußballspieler hätte ein Abschiedsspiel bekommen. Und Schönfelder? „Ich hatte eine Abschieds-WM.“ Schon vor den Weltmeisterschaften in Sestriere Mitte Januar stand für ihn fest, dass er mehr Zeit für seine Familie haben möchte. Zum Abschluss hat er daher noch mal das getan, was er am besten kann: gewinnen. In der Abfahrt und im Super-G nahm er Gold mit, dazu noch dreimal Silber und einmal Bronze. „Mein letztes großes Event habe ich einfach genossen, es war perfekt“, sagt er.

Einige hätten ihn gefragt, warum er denn nicht noch weiterfahre bei diesen Ergebnissen. „Genau deshalb habe ich jetzt aufgehört. Ich wollte doch nicht zurücktreten, wenn die Leute kommen und sagen: Bei Ihnen geht’s auch nicht mehr so leicht wie früher.“

Der Behindertensport ist zu einer professionellen Bewegung geworden, und den Weg dahin hat Schönfelder unmittelbar erlebt. 1992 nahm er erstmals an den Paralympics teil. Skirennen war er seit seinem sechsten Lebensjahr gefahren, doch 1989 verlor er bei einem Unfall den rechten Arm und zwei Finger der linken Hand, als er versucht hatte, in einen schon anfahrenden Zug zu steigen und dabei unter den Zug geriet. In Albertville 1992 gewann Schönfelder gleich drei Goldmedaillen. „Albertville war noch ein Nebenprodukt von Olympia, alles fand an einem Hang statt.“

Von Paralympics zu Paralympics wuchs jedoch die Anerkennung für die sportliche Leistung, und Schönfelder, von Beruf Elektrotechniker, wurde nach den Paralympics von Salt Lake City 2002 dank eigener Sponsoren Sportprofi. Er bereitete sich noch intensiver auf die nächsten Paralympics vor, denn in Turin 2006 stand eine entscheidende Veränderung an: Die Athleten starteten nicht mehr in vielen unterschiedlichen Handicap-Klassen, sondern nur noch in drei Kategorien: stehend, sitzend und sehbeeinträchtigt. Der Grad der Behinderung wurde dabei über ein Prozentsystem eingerechnet. Für Schönfelder hatte das zur Folge: „Es gab bei uns stehenden Skifahrern statt fünf Goldmedaillen nur noch eine, und ich wusste, dass ich deshalb noch eine Schippe drauflegen musste.“

Seine beiden Goldmedaillen in der Abfahrt und im Slalom bedeuten ihm daher besonders viel. Die schönste bei den Paralympics allerdings ist seine 16. und letzte, die in der Super-Kombination in Vancouver 2010. „Da bin ich am selben Tag Vater geworden – zwei emotionale Highlights an einem Tag“, sagt er.

Ein Leben ohne Sport wird Schönfelder aber nicht führen. Er arbeitet als Honorartrainer im Skisport weiter. Und er sitzt im Landkreis Tischenreuth für die CSU. Als sie ihn gefragt hatten, ob er nicht für sie kandidieren wolle, hat er ihnen erst gesagt: „Auf Platz 60 könnt’ Ihr mich setzen.“ Es war der letzte Platz der Liste. Doch die Wähler hoben ihn bis auf Platz 31, und als ein Abgeordneter starb, rückte Schönfelder nach. „Ich möchte mich mit meinen Erfahrungen aus dem Sport einbringen.“ Das wird er auch im Marketing für seine bisherigen Sponsoren tun und als Motivationscoach.

Schönfelder hatte immer „versucht, näher an die Nichtbehinderten ranzukommen“. Aber pro Tor verliere man ein paar Hundertstel, „und bei 60 Toren summiert sich das am Ende“. Gleichwohl, er sagte sich einfach: „Der Arm ist weg, mehr wird’s nicht. Das muss reichen.“

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