Sport : 41 Tore in 45 Minuten

Kantersieg in der Kreisliga kommt vor Gericht

Katrin Schulze

Berlin - Normalerweise ist das Interesse an unterklassigen Fußballspielen eher gering. Ein paar pöbelnde Zuschauer älteren Alters, ein paar pubertierende Mädchen und mehr als ein paar Bier – das war es. Anders am vergangenen Sonntag in der Kölner Kreisliga D. Da war nicht viel normal, am wenigsten das Ergebnis: 54:1 gewann die zweite Mannschaft von Rheinkassel-Langel gegen DJK Löwe II und löste damit ein ungewöhnlich großes Interesse am vergleichsweise kleinen Kölner Klub aus. Mittlerweile beschäftigt sich sogar ein Kölner Sportgericht mit dem Fall.

Es geht um den Aufstieg, der Germania Nippes II aufgrund der wesentlich besseren Tordifferenz gegenüber Verfolger Rheinkassel-Langel vor dem letzten Spieltag eigentlich nicht mehr zu nehmen war. „Wir hatten schon Sekt besorgt und eine Meisterschale gebastelt“, erzählt Daniel Breuer, Torwart von Nippes, „doch dann hörten wir von den Geschehnissen auf dem anderen Platz – und waren geschockt.“ Denn da passierten seltsame Dinge: Die Löwe- Spieler sollen wie gelähmt dagestanden haben, als ihre Gegner ein Tor nach dem anderen schossen. 13:0 führten die Gäste zur Halbzeit, später rollte der DJK–Torwart einem Spieler von Rheinkassel-Langel den Ball sogar direkt vor die Füße, so dass der nur noch einzuschieben brauchte. All das beweist ein Video im Internet. Und auch sonst fährt der benachteiligte Verein aus Nippes seit dem kuriosen Erfolg des Konkurrenten eine große Protest-Kampagne. Die Mannschaft schaltete sogar eine eigene Homepage, inklusive „Skandal-Shop“ und einer Meinungsumfrage.

Ihr kreativer Einspruch scheint nicht unbegründet, denn am Sonnabend wird nun eine unabhängige Spruchkammer über die Rechtmäßigkeit des 54:1 entscheiden. „Es ist eine Schande. Ein solches Ergebnis darf keinen Bestand haben“, findet der Vorsitzende des Kölner Kreis-Spielausschusses, Hermann-Josef Schmitz. Dabei droht nicht nur ein Punktverlust, sondern auch eine Strafe bis zu 7500 Euro und im Extremfall eine dauerhafte Sperre für die beteiligten Spieler. „Ein unsportliches Verhalten ist hier sehr wahrscheinlich“, sagt auch der Kreisvorsitzende Hans-Christian Olpen. „Sollte das nachgewiesen werden, erwarte ich die entsprechenden Strafen.“ Eine Erklärung, wie man 41 Tore in einer Halbzeit schießen kann, wollte der Trainer von Rheinkassel-Langel „wegen des schwebenden Verfahrens“ indes nicht abgeben. Obwohl er nach eigenen Angaben einiges zu erzählen hätte. Katrin Schulze

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