6. Wettkampftag : Was in der Nacht geschah: Zweierschwimmen, Sturz vom Reck

Jeden Morgen um acht an dieser Stelle: Zusammenfassung der Wettkämpfe bislang. Heute mit: viel Wasser, viel Ballsport und einem tapferen Fabian Hambüchen.

Juliane Schäuble

Daran muss man sich schon fast wieder gewöhnen: eine Schwimmgoldmedaille bei diesen Olympischen Spielen ohne neuen Weltrekord. Allerdings ist anzufügen, dass Michael Phelps beim 100-Meter-Freistil-Finale ausnahmsweise nicht beteiligt war (warum eigentlich nicht? Ein Anfall von Faulheit? Was spricht denn gegen neun Goldmedaillen für den US-Superstar? Beim Rückenschwimmen tritt Phelps übrigens auch nicht an, auch hier gibt es unserer Meinung nach eindeutig Verbesserungspotenzial). Dazu kommt, dass der Franzose Alain Bernard, der das Rennen in der Nacht für sich entschied, bereits im Halbfinale eine Bestmarke geknackt hatte. Und: Die australische 4x200-Meter-Freistil-Staffel der Frauen hat ihr Gold dann wieder in Weltrekordzeit gewonnen. Alles also gar nicht so dramatisch. Ach ja, zudem hat auch China seit heute Nacht seine erste Schwimm-Goldmedaille bei diesen Spielen: Die Chinesin Liu Zige hat das mit (einer weiteren) Weltrekordzeit über 200 Meter Schmetterling geschafft. Die Volksrepublik, inzwischen mit 19-mal Gold weit vorn im Medaillenspiegel, ist entzückt.

Von den deutschen Schwimmern gibt es endlich auch mal wieder Erfreuliches zu berichten, zumindest bei einer Athletin: Die Berlinerin Britta Steffen hat es als Sechste im Halbfinale ins morgige 100-Meter-Freistil-Finale geschafft - anders als Petra Dallmann aus Heidelberg. Der Frankfurter Helge Meeuw musste die 200 Meter Rücken im Halbfinale indes gleich zweimal schwimmen: Da er zeitgleich mit dem Russen Arkadi Wjatschanin angeschlagen hatte, wurden die beiden ins Nachschwimmen geschickt. Leider hat das der Russe besser verkraftet - was uns gleich wieder die Kritik der deutschen Verbandspräsidentin Christa Thiel in Erinnerung bringt, die bei ihren Schwimmen die notwendige Wettkampfhärte vermisst.

Hambüchens Wettkampfhärte

Mangelnde Wettkampfhärte kann man Fabian Hambüchen dagegen nicht vorwerfen: Trotz Kapselrisses am kleinen Finger der linken Hand und mithilfe von Schmerzmitteln hat der 20-jährige Reck-Weltmeister am Morgen tapfer an der Mehrkampf-Entscheidung mitgeturnt - auch wenn es am Ende nur zum siebten Platz reichte. Zitat vor Wettkampfbeginn: „Ich bin nicht hier, um zu jammern. Jetzt ziehe ich das Ding durch.“ Wenn das nicht eine vorbildliche olympische Einstellung ist! Wahrscheinlich wird der Spruch schon bald im Lager der deutschen Schwimmer aufgehängt.

Peking 2008 - Turnen Fabian Hambüchen
Menno! Fabian Hambüchen nach seinem Patzer am Reck.Foto: dpa


Die richtige Einstellung brauchen auch die deutschen Basketballer, die nach ihrer nun schon zweiten Olympia-Niederlage, einem 59:72 gegen Weltmeister Spanien, jetzt gegen Gastgeber China am Samstag unbedingt gewinnen müssen, um das Viertelfinale noch zu erreichen. Ähnlich geht es den Wasserballern, die gegen Kroatien bereits ihre zweite Niederlage kassierten (5:13). Nun helfen nur noch Siege gegen die USA und Italien.
 
Erfolgreicher sind da die deutschen Handballer: Dem amtierenden Weltmeister gelang ein 25:23-Arbeitssieg über Ägypten; nun fehlt nur noch ein Erfolg in den zwei ausstehenden Spielen gegen Russland (Samstag) und Europameister Dänemark (Montag). Auch Deutschlands Tischtennis-Herren trennt nach ihrem 3:0-Triumph über Kanada nun nur noch ein Sieg in der Vorrunde vom Einzug ins Halbfinale. Die Damen allerdings schieden gegen Polen mit 1:3 aus. Bessere Nachrichten - wie erwartet - von den deutschen Hockey-Damen. Sie schlugen die USA 4:2 und stehen vor dem Einzug ins Halbfinale. Und: Den deutschen Volleyballern gelang ihr erster Turniersieg in Peking: ein 3:0 gegen Ägypten.

Außerdem: Die ewige Medaillenhoffnung Sonja Pfeilschifter hat erneut gepatzt. Die Weltranglistenerste schied im Vorkampf des Dreistellungskampfes mit dem KK-Sportgewehr als 17. aus - und muss weiter auf ihr erstes Olympiagold warten. Manches ändert sich scheinbar nie.

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