Sport : 90 Minuten mit Daniel Bierofka

Heinrich Geiselberger

Daniel Bierofka und Stefan Trautmann haben beim Münchner Derby einige Gemeinsamkeiten: Beide rennen 90 Minuten lang die Außenlinie auf und ab, beide winken regelmäßig ihren Spielregisseuren in der Mitte. Bierofka, der Linksaußen der Löwen, winkt meist vergebens. Dass es für ihn ein frustrierender Nachmittag werden könnte, deutet sich schon in der zweiten Minute an: In seinem ersten Zweikampf mit Bayern-Stürmer Santa Cruz rutscht der 23-Jährige weg. Als er zwanzig Minuten später das erste Mal seinen Platz an der Außenlinie verlässt, spielt ihm Weissenberger den Ball zu, Bierofka steht frei vor Kahn - und schießt links daneben. Bierofkas Abschlussschwäche ist zwar nicht neu, aber in einem Derby besonders ärgerlich.

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Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Er ist schließlich der einzige echte Münchner, der daran teilnimmt. Und er ist mit beiden Vereinen irgendwie verbandelt: Nach seiner Lehrzeit beim Bayern-Nachwuchs wechselte er im Sommer 2000 zu den Sechzigern. Dort spielte in den Siebzigern bereits sein Vater Willi, bis er sich 1978 schwer verletzte - im Derby.

An Motivation mangelt es Bierofka wahrlich nicht. Ende der ersten Halbzeit gerät er sich erst mit Santa Cruz und dann mit Sagnol in die Haare. Die Talente aus Frankreich und Feldmoching stehen sich Stirn an Stirn gegenüber, bis Mitspieler sie trennen. Von den eleganten Tempodribblings, die ihm den Beinamen "Daniel Düsentrieb" und ein Angebot von Bayer Leverkusen eingebracht haben, ist vor der Pause wenig zu sehen.

Auch in der zweiten Hälfte spielt er glücklos. In der 54. Minute spielt ihn Weissenberger bei einem Konter nicht an, obwohl er frei steht. Später übersieht ihn Thomas Häßler. Bierofka breitet frustriert die Arme aus, winkt ärgerlich ab. Als die Bayern wenig später in Führung gehen, dreht er sich auf dem Weg zum Anstoß noch einmal ungläubig um.

Wenn er im Sommer nach Leverkusen wechseln sollte, wäre es sein letztes Derby - da will er erst recht nicht verlieren. Er rackert. In der 74. Minute senst ihn Thomas Linke an der Strafraumgrenze um. Bierofka krümmt sich am Boden und hält sich dann humpelnd die Hüfte. Er macht weiter. Und wie. Bei einem Querschläger aus der Bayern-Abwehr reagiert er am schnellsten, spielt den Ball in den gegnerischen Strafraum zurück, der Pass findet Martin Stranzl, der erzielt das 1:1.

Die Vorlage bleibt Bierofkas beste Aktion. Und dann verdirbt ihm Thorsten Fink in letzter Minute sein vielleicht letztes Derby. Nach dem Schlusspfiff sinkt Bierofka in die Knie und vergräbt sein Gesicht in den Händen. Erst nach einigen Minuten rafft er sich auf, klettert müde über eine Werbebande und geht zu den Fans. Er wirft sein Trikot über den Zaun und winkt traurig hinterher - das letzte Mal an diesem Tag.

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