90 MINUTEN mit … : Raffael

Auch Herthas Neuzugang trifft in Stuttgart

Claus Vetter

Raffael will überzeugen. Unbedingt. Das ist dem kleinen Brasilianer anzumerken, schon kurz nachdem der Anpfiff im Gottlieb-Daimler-Stadion erklungen ist. Er hat den Kopf oben, zupft kurz an seinem Trikot, wirkt entschlossen. Schließlich ist er der Wunschstürmer des Trainers, Lucien Favre hat seinen Lieblingsschüler in der Winterpause vom FC Zürich nach Berlin nachgeholt. Emsig flitzt der nur 1,69 Meter große Mann dem Ball hinterher. Doch bekommt er ihn viel zu selten, ist oft nur zweiter Sieger in seinen Zweikämpfen. Wie schon beim 0:3 von Hertha zum Rückrundenauftakt gegen Frankfurt läuft das Spiel an ihm vorbei, diesmal allerdings in eine andere Richtung. Hertha führt dank des agilen Stürmers Marko Pantelic bald 1:0, die hängende Spitze Raffael jubelt mit – mehr nicht.

Er scheint mit dem Tempo in der Bundesliga so seine Probleme zu haben, es geht halt schneller zu als in der betulichen Schweizer Liga, in der Raffael Tore in Serie erzielen konnte, oft nachdem er die Gegner nach allen Regeln brasilianischer Fußballkunst düpiert hatte. In Stuttgart gelingt ihm das nicht, also versucht der 22-Jährige es anders. Nach 25 Minuten bekommt er den Ball an der Strafraumgrenze und zieht ab. Doch er hat zu lange gewartet, die Stuttgarter können den Schuss blocken. Kurz vor der Halbzeitpause versucht es Raffael noch einmal mit einem Distanzschuss – daneben.

Hertha führt zur Pause 2:1, spielt erstaunlich abgeklärt. Nur für Raffael läuft es nicht. Das einzige Tor, das er bisher für die Berliner erzielt hat, fiel in einem Testspiel gegen den Zweitligisten Kaiserslautern. Mit Beginn der zweiten Halbzeit wird Raffael forscher. Er steht am gegnerischen Strafraum, als Mineiro einen Pass spielt. Etwa acht Meter vor dem Tor der Stuttgarter kommt Raffael an den Ball und drischt ihn direkt unter die Latte – der ganze Frust aus drei verpatzten Halbzeiten liegt in diesem gewaltigen Schuss. Alles ist plötzlich gut. Nach seinem Treffer steht Raffael noch einmal frei vorm Tor und bietet sich durch starkes Winken an, wird aber von Pantelic nicht angespielt. Kurz vor dem Ende hält ihn Stuttgarts Matthieu Delpierre am Trikot fest. Raffael fällt, und Delpierre sieht die Gelb-Rote Karte.

Sein Lehrer Lucien Favre lobt Raffael später eher verhalten. „Ich kenne Raffael sehr gut“, sagt Favre. „Er kann Tore schießen, das wusste ich. Aber er braucht noch Zeit.“ Zeit, um in der Bundesliga anzukommen. Mit seinem Tor ist er zumindest auf dem Weg dahin. Claus Vetter

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