Sport : 90 Minuten mit Roy Präger

Joachim Frisch

So nervös war Roy Präger selten vor einem Bundesligaspiel. Es ist immerhin sein 142. Doch erstmals hat der 30-Jährige Bammel vor den eigenen Fans. Vor zwei Tagen gab er bekannt, dass er im Sommer zum VfL Wolfsburg zurückkehren wird. Und als alter Hase wusste er: "Einige werden pfeifen, so ist das im Fußball."

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Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Er irrt. Keine Buhrufe, keine Pfiffe. Trotzdem beginnt Präger unsicher. Die ersten Zweikämpfe gehen verloren, eher aus Übereifer denn mangels Kampfgeist. Wer ihm den abspricht, tut ihm unrecht, wie kürzlich "Bild". Nach dem 0:6 in Berlin präsentierte das Blatt "Die Charakterlosen", ausgerechnet mit einem Foto von Roy Präger, der stets kämpft bis zum Umfallen. Solche Missverständnisse gab es in Wolfsburg nicht. Dort wusste jeder, was er für ein Kerl ist. Der Wechsel zum HSV brachte statt des erhofften Karrieresprungs den Knick. Beim VfL unumstritten, kämpft Präger hier seit 1999 um einen Stammplatz. Kein Wunder, dass er zurück geht.

Als Kämpfernatur will er es seinen künftigen Kollegen und "Bild" zeigen. In der sechsten Minute zieht er aus halbrechter Position ab, der Winkel ist zu spitz, Reitmaier pariert. Prägers Problem bleibt der Übereifer. Nach zehn Minuten verliert er in der eigenen Hälfte den Ball, Klimowicz taucht allein vor Pieckenhagen auf, vergibt aber. Drei Minuten später bringt Präger einen eigenen Mann in gute Position, aber Romeo verstolpert. Auch die erste Chance für den HSV geht auf Prägers Konto, wieder versiebt Romeo, köpft nur an die Latte.Nach einer halben Stunde probiert Präger es selbst. Am Strafraum dreht er sich um die eigene Achse, doch Tobias Rau spitzelt ihm das Leder vom Fuß. Das 0:1 von Klimowicz muss Präger hilflos von der Mittellinie aus mit ansehen.Sein Aufsetzer zwei Minuten nach der Pause stellt Reitmaier nicht vor Probleme. Besser als die Schüsschen sind Prägers Pässe, wie der auf Cardoso (52.), doch der Argentinier schießt aus 16 Metern vorbei. In der nächsten Szene bedient er Romeo, der geht auf und davon, stolpert, und Wolfsburgs Maik Franz sieht dafür Rot - höchst umstritten.

Das 1:1 von Barbarez sieht Präger aus den Augenwinkeln. Er bleibt jetzt konsequent auf der rechten Seite, weil der HSV in Überzahl mit Antar (für Hertzsch) einen weiteren offensiven Spieler auf dem Platz hat. Prägers Wirkung lässt nach, auch die Kraft. Das zeigt sich in der 70. Minute. Bis zur Grundlinie hat er sich vorgearbeitet, doch statt zu flanken, schlägt er einen Haken - und weg ist der Ball. Kurz darauf wird er wieder am Elfmeterpunkt angespielt, der Ball springt zu weit ab. Gut bleibt sein Abspiel. Zum vierten Mal an diesem Nachmittag spielt er Romeo frei (85.), der wiederum scheitert.

Prägers Gesicht ist knallrot. Vor Anstrengung, vor Wut, vor Enttäuschung. Bald, in Wolfsburg, wird man seinen Eifer mehr würdigen.

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