Sport : 90 MINUTEN MIT Stefan Reuter

Wie der Dortmunder sein 500. Bundesligaspiel erlebt hat

Erik Eggers

Natürlich gab es reichlich Blumen. Natürlich wurde es gebührend gewürdigt, dass Stefan Reuter gestern zum 500.Mal antrat in der Fußball-Bundesliga. Dass der gebürtige Unterfranke erst der zehnte Spieler ist, der diese Marke zu knacken vermochte (Rekordhalter bleiben wohl ewig Karl- Heinz Körbels 602 Einsätze). 1985 betrat Reuter diese Bühne zum ersten Mal. Damals, beim Debüt im Trikot des 1. FC Nürnberg (Foto: Imago), hieß sein Trainer noch Heinz Höher, ein heute fast vergessener Mann. Gestern, beim Dortmunder Gastspiel in Leverkusen, empfing der 69fache Nationalspieler, Weltmeister, Europameister, fünfmalige Deutsche Meister, Champions-League-Sieger den verdienten Beifall der Zuschauer. Reuter steckte das recht lässig weg, er ist kein Mann der großen Emotionen. Wie hatte er es noch im Herbst des vorigen Jahres ausgedrückt? „Ich mache mir nichts aus Statistiken.“

Die Blumen sollten dann auch die einzige Freundlichkeit an diesem Nachmittag bleiben. Das Spiel war noch keine Minute alt, da rollte der Leverkusener Hochgeschwindigkeitsfußball schon über den Außenverteidiger hinweg. Vier Minuten später hatte „die fehlende Abstimmung hinten“, wie Reuter später diagnostizierte, Konsequenzen. Reuter hatte sich leichtsinnig von Franca aus dem Deckungsverband locken lassen, in diesen freien Raum lief Babic und erzielte das 1:0.

Dass die Dortmunder danach noch einmal kurz ins Spiel kamen, lag an ihrem Jubilar. In Minute 14 passte Reuter zu Ewerthon und spurtete wie in alten Tagen die rechte Außenlinie hinunter. Den Steilpass von Gambino kontrollierte er perfekt und schlug umgehend eine präzise Flanke zum lauernden Koller. Eine perfekte Vorbereitung, doch der Tscheche konnte den Ball nicht im Tor unterbringen. Im Gegenzug wirkte Reuter ziemlich machtlos, als sich Berbatow und Bastürk beängstigend leicht an ihm und Bergdölmo vorbei kombinierten. „Das war sehr gut gespielt“, sagte er später.

Mitte der ersten Halbzeit schlich dann die Resignation in Reuters Körper. An dem 0:2 durch einen Konter war Reuter schuldlos; er war genauso in der Vorwärtsbewegung wie alle anderen, als Rosicky den Ball verlor. Wie oft zuckte Reuter danach mit seinen Schultern, wie oft schaute er danach ein wenig deprimiert zu Boden? Oft, kaum zu zählen. Zu chancenlos war der BVB. „Heute lief es extrem gegen uns“, sagte Reuter, der am Ende der Saison seine aktive Karriere beendet. „Uns hat die Überzeugung gefehlt.“

So spektakulär sein Jubiläum in diesen Zeiten ist, so unauffällig war der Auftritt des 37-Jährigen, der nach einer Stunde für Evanilson ausgewechselt wurde. Es war ein Abschied mit Beifall.

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