Sport : 90 MINUTEN MIT Timo Hildebrand

Wie Stuttgarts Torhüter seinen Rekord gegen Köln aufstellte

Erik Eggers

Als er um 14.50 Uhr in das Gottlieb-Daimler-Stadion hineintrabte, feierten ihn die Fans mit ekstatischen „Timo, Timo“-Rufen. Hildebrand winkte zurück ins Publikum, nicht überschwänglich zwar, aber doch dankbar. Alle wussten, dass dies ein womöglich historisches Spiel für den 24-Jährigen werden würde. Noch 68 Minuten, hatten Statistiker errechnet, und Hildebrand würde den Rekord von 802 torlosen Minuten brechen, den Bayern-Torwart Oliver Kahn seit der letzten Saison in seinen Händen hielt.

Seit dem 17. Mai kennt Hildebrand das Gefühl eines Gegentreffers in der Bundesliga nicht mehr, damals traf Giovane Elber gegen ihn. Seine Mitspieler hatten ihm vor dem Spiel eine Zeitungsschlagzeile über seinen Kabinenplatz geklebt: „Nullinger.“ Der stets besonnene Torwart mochte vorher nicht darüber reden. „Mir ist das schnurzpiepegal“, sagte der Blondschopf.

Hildebrand, der nach einem Spezialtraining körperlich sichtbar zugelegt hat, befolgte exakt seine Rituale beim Aufwärmen. Vor dem Anpfiff folgte das übliche Abklatschen mit Abwehrchef Bordon, und wie gewohnt warf er die Trinkflasche wieder rechts neben das Tor. Dann trat das ein, was sein Trainer prognostiziert hatte: „Ich gehe nicht davon aus, dass Timo gegen Köln oft in Gefahr kommt“, sagte Felix Magath. Nur zweimal musste Hildebrand in der ersten Halbzeit eingreifen. Nach fünf Minuten hielt er souverän einen Schuss von Marius Ebbers. Der gleiche Stürmer versuchte auch in Minute 44 den Rekord zu verhindern, aber Hildebrand parierte sicher. Wirklich in Verlegenheit brachte den Torhüter erst eine scharfe Rückgabe seines Kollegen Hinkel, auch diese Aufgabe löste der auch mit dem Fuß starke Keeper souverän. Zur Halbzeit und nun 780 torlosen Minuten für Hildebrand zweifelte kaum jemand im Stadion am neuen Rekord.

Nur einziges Mal noch, bei einem Freistoß von Dirk Lottner, musste Hildebrand in der zweiten Halbzeit eingreifen. Er erledigte das sicher. Die ersten Sprechchöre drangen nach exakt 68 Minuten aus der so genannten Canstatter Kurve zu ihm, und als die Großbildleinwand seinen Torverhinderungsrekord dokumentierte, jubelte die ganze Arena. Hildebrand nahm diese Huldigungen mit der gleichen Regungslosigkeit zur Kenntnis wie den Schlusspfiff.

Nun ist er seit 825 Minuten torfrei. Aber lieber hätte er, das zeigte seine Körpersprache, seinen Rekord eingetauscht gegen einen Sieg.

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