Sport : Aachen hat ein Problem mit dem Tivoli

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Aachen - So viel hat sich im Fußball verändert, aber eins, erzählt Erwin Hermandung, das blieb gleich: Die Atmosphäre am Aachener Tivoli in den vergangenen 36 Jahren. Die Stimmung sei immer noch einzigartig, sagt der 61-Jährige, der in den drei Bundesligajahren der Alemannia von 1967 bis 1970 mit 19 Toren einer der gefeierten Spieler war. „Nur durften früher über 30 000 Zuschauer mit dabei sein, heute sind es nur noch um die 20 000.“ Damit benennt Hermandung ein aktuelles Aachener Problem: Der Tivoli ist für den Aufsteiger Fluch und Segen, für das sportliche Überleben in der Bundesliga unverzichtbar, wirtschaftlich allerdings, wie Alemannias Sportdirektor Jörg Schmadtke am Samstagabend im „Aktuellen Sportstudio“ sagte, „bringt er uns nicht voran“. Das heißt konkret: Will Aachen mittelfristig erstklassig bleiben, hat die legendäre, 1928 eingeweihte Arena mit dem klangvollen Namen in ihrer jetzigen Form keine Perspektive. „Wenn wir das Stadion aber verändern oder ein neues bauen“, sagte Schmadtke weiter, „laufen wir Gefahr, den Menschen ihr Zuhause zu nehmen.“ Trotzdem liegt ein Konzept für eine moderne Arena direkt neben dem alten Stadion bereits vor.

Beim unglücklichen 0:1 der Alemannia gegen Schalke 04 im ersten Heimspiel nach dem Wiederaufstieg peitschten 21 300 Fans die Schwarz-Gelben nach vorne. Der Tivoli war ausverkauft. Das wird wohl auch bei den kommenden 16 Spielen so sein. Die Stimmung bei einem Aachener Heimspiel in der Bundesliga wollen auch ehemalige Spieler miterleben. Am Sonnabend schwebten Erik Meijer und Willi Landgraf – jeweils im Tandem mit einem lufterfahrenen Begleiter – per Fallschirm ein. Ab wann er die „Williiiii“-Rufe habe hören können, wurde Landgraf nach seiner Landung gefragt. „Ab 700 Metern Höhe“, sagte der 37-Jährige, der inzwischen in der Schalker Oberligamannschaft aktiv ist.

„Hier herrscht eine fantastische Atmosphäre“, sagte auch Schalkes Trainer Mirko Slomka. „In solch einem engen Stadion bekommt man alles mit, was die Fans sagen. Ob das schön ist oder weniger schön, lasse ich mal dahingestellt.“ Seine Abwehrroutiniers Mladen Krstajic und Marcelo Bordon konnten dem Ambiente am Tivoli dagegen nichts Besonderes abgewinnen. „Die Stimmung hier ist wie in jedem anderen Stadion in Deutschland“, sagte der früh vom Platz gestellte Krstajic. „Und an unsere Fans auf Schalke“, ergänzte Bordon, „kommt sowieso niemand heran.“ ddp

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