Sport : Aber die Tabelle macht Spaß

In der Deutschen Eishockey-Liga dominieren die Eisbären – trotzdem ist ihr Manager unzufrieden

Claus Vetter

Berlin. Peter John Lee saß im rustikalen Stadion am Schwenninger Bauchenberg und ärgerte sich über ein „unsägliches Spiel“. Dass die Eisbären als Tabellenführer der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) beim Tabellenletzten, den Schwenninger Wild Wings, unkonzentriert über das Eis stolperten, erregte ihren Manager. So ist das eben, wenn ein Klub eine Liga so eindeutig dominiert wie die Berliner die DEL. Die Ansprüche wachsen. Beim Favoriten, nicht bei den Außenseitern – die Wild Wings mussten am Freitag Ehrenrunden laufen: Ihre Fans waren begeistert, weil die Eisbären nur mit 4:3 gewonnen hatten.

Angesichts der erstaunlichen Gefühlsausbrüche in Schwenningen war Lee verwundert. „Selbst der Schiedsrichter hatte Mitleid, und hat uns zu häufig auf die Strafbank geschickt.“ Wenn überhaupt, dann war es eine verzeihliche Fehlentscheidung. In der Strafzeitenstatistik der DEL sind die Berliner auch nach Schwenningen weit von der unpopulären Spitze entfernt. Anders verhält es sich bei den beliebten Zahlen: Die Torquote beim Berliner Überzahlspiel liegt bei 25 Prozent, Kelly Fairchild ist Topscorer der Liga, und auch der Spieler, der bei den meisten erzielten Toren und bei den wenigsten Gegentreffern auf dem Eis war, kommt aus Berlin: David Roberts führt die Plus-minus-Statistik an. Noch wichtiger ist, dass der Blick auf die Tabelle den Eisbären noch nie so viel Spaß gemacht hat wie vor dem heutigen Spiel gegen die Iserlohn Roosters (15 Uhr, Sportforum): Seit Freitag haben die Berliner sieben Punkte Vorsprung auf Verfolger Mannheim.

Lee will davon nichts hören, wittert vielmehr Ungemach: „Wir haben zu viele Verletzte, uns geht das Personal aus.“ Personalprobleme? Das war für Pierre Pagé bisher ein Fremdwort. In Schwenningen ließ der Eisbären-Trainer angesichts des Fehlens von John Gruden (Schulterverletzung) Danny Pyka verteidigen. Der erst 18-Jährige machte seine Sache sehr gut, bereitete sogar ein Tor vor. Wenn der Manager trotzdem Angst vor Ausfällen hat, könnten die Eisbären ja vor dem Transferschluss am 30. Januar tätig werden. Eine Ausländerstelle ist bei den Berlinern frei. „Ich schaue mich seit Wochen um“, sagt Lee. „Niemand ist zu haben. Ich hatte sogar schon einen Anruf von einem verzweifelten Agenten aus Amerika. Der hat mich gefragt, ob in der DEL nicht jemand rausgeflogen ist. So weit ist es schon.“ Eine traurige Anekdote – oder doch nicht? Eher Letzteres – Mitleid mit Lee und den Eisbären, das hat in der DEL zurzeit kein Konkurrent.

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