Sport : Abpfiff vor dem Anstoß

Wenige Tage vor der Frauen-Fußball-WM in den USA wird die US-Profiliga aufgelöst

Helen Ruwald

Berlin. Die Fußballerinnen von Washington Freedom sind US-Meister, schon jetzt buhlt der Klub um Kartenkäufer für die neue Saison, die im Frühjahr 2004 beginnen sollte. Auf seiner Homepage lockt Freedom: „Dauerkarten: Vier kaufen, die fünfte ist kostenlos.“ Eine sinnlose Werbemaßnahme. Die Profiliga Wusa gab gestern, wenige Tage vor Beginn der Weltmeisterschaft in den USA, ihre Auflösung aus finanziellen Gründen bekannt. Washington, der Klub der deutschen Nationalspielerinnen Steffi Jones und Sandra Minnert, informiert denn auch unter dem Werbebanner über die Neuigkeiten – und darüber, dass „Zahlungen für Tickets in voller Höhe erstattet werden“.

Sieben Deutsche spielten zuletzt in den USA, darunter Starspielerin Birgit Prinz (Carolina Courage). Die Liga war in punkto Marketing, Zuschauerzahlen und Professionalität ein Vorbild für die Bundesliga. In der Wusa konnten die Frauen als Profis pro Spielzeit 25 000 bis 40 000 Dollar verdienen, wesentlich mehr als in Deutschland, wo der Fußball nur Hobby ist. Doch trotz Gehaltskürzungen hatte die Liga Probleme. Erst 2001 war sie gegründet worden. Organisiert war sie als GmbH, in die mehrere Medienunternehmen investierten. Die Wusa hatte 15,5 Millionen Euro Schulden und konnte nach eigenen Angaben für das kommende Jahr nur noch die Hälfte der geplanten Sponsoren-Einnahmen verzeichnen. „Völlig überrascht bin ich nicht. Es gab Gerüchte, dass die Wusa es nicht schafft“, sagt Siegfried Dietrich, der Manager des Deutschen Meisters 1. FFC Frankfurt. Dass der Zeitpunkt der Ankündigung vor der WM bewusst gewählt war, darauf spekuliert Bundestrainerin Tina Theune-Meyer: „Diese Entscheidung stimmt mich traurig. Ich hoffe, dass es nur eine taktische Variante war, um mehr Sponsoren an Land zu ziehen.“

Denn die WM stößt durchaus auf das Interesse von Fans und Medien. Frauenfußball ist in den USA populärer als Männerfußball, die USA sind Weltmeister. In Werbespots schießt ihr Star Mia Hamm Tor um Tor, die Zeitungen berichten groß über das bevorstehende Turnier. „Der Markt für Frauenfußball ist da“, sagt Dietrich, der glaubt, dass sich irgendwann eine neue Liga etablieren wird – allerdings mit anderen Strukturen. „Die Wusa war ein großer Konzern, in dem die acht Teams quasi acht Filialen waren. Es gab keinen richtigen Wettbewerb, das könnte hier nicht passieren.“

Für die deutschen US-Profis ändert sich zunächst nicht viel. Weil die Saison in Amerika im August endete und erst im Frühjahr wieder beginnen sollte, sollten Jones, Prinz und Minnert ohnehin ab Oktober wieder für Frankfurt spielen, genauso wie Pohlers (Atlanta Beat) für Vizemeister Turbine Potsdam. Jones wollte sowieso ganz nach Deutschland zurückkehren. Prinz hat noch überlegt. Die Verträge von Minnert und Pohlers liefen noch eine Saison. „Für die Bundesliga ist es wichtig, dass die Galionsfiguren hier sind“, sagt Dietrich. Auch Potsdams Trainer Bernd Schröder findet die Auflösung der Wusa nicht negativ für die Bundesliga. „Die jungen Spielerinnen hier hatten doch schon Dollarzeichen in den Augen.“ Nun würden sie hier bleiben, und „ich rechne damit, dass die Amerikanerinnen jetzt in der Bundesliga spielen wollen“. Dann wäre die deutsche Liga der große Gewinner der negativen Entwicklung in den USA.

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