Sport : Abschied auf Bulgarisch

Der 1. FC Union trennt sich 2:2 von Wacker Burghausen – doch die Fans haben nur einen im Kopf: Georgi Wassilew

André Görke

Berlin. Die Fans hatten ihren ehemaligen Trainer nicht vergessen. Als die Mannschaft des Fußball-Zweitligisten 1. FC Union in das Stadion an der Alten Försterei einlief, entrollten die Anhänger auf der Tribüne ein Transparent mit dem Konterfei von Georgi Wassilew. Dazu hielten sie rote, grüne und weiße Papptafeln in die Luft. Das sind die bulgarischen Nationalfarben. Darunter stand, in kyrillischen Buchstaben, die bulgarische Botschaft: „Danke Georgi!!!“

Einfach war der Nachmittag für Präsident Heiner Bertram nicht gewesen. Die Mannschaft hatte sich vor 7064 Zuschauern nur 2:2 (0:1) von Wacker Burghausen getrennt. Es war das erste Spiel gewesen, nach dem der Klub seinen Trainer Wassilew fristlos gekündigt hatte. Viele Fans waren mit dieser Entscheidung nicht einverstanden gewesen. „Das ist okay. Wir sind hier nicht gleichgeschaltet“, sagte Präsident Bertram. „Wir sind ja nicht auf dem 25. Parteitag der KPdSU.“

Die vergangenen Wochen waren stressig gewesen. Für die Fans, für den Vorstand, für die Spieler. Erst kündigte Wassilew seinen Rücktritt an, dann verlor Union 0:7 in Köln. Und schließlich wurde der Trainer doch entlassen. „Die Jungs sind unruhig gewesen“, sagte Ivan Tischanski später. Er hat für die kommenden Wochen bei Union den Job als Trainer übernommen. Wie lange Tischanski, der unter Wassilew noch Kotrainer gewesen war, seinen Job ausüben darf, „das weiß ich selbst nicht“, sagt er. Viele beim 1. FC Union sähen ihn gern als Cheftrainer. Tischanski aber sagt: „Ich mache mir da wirklich keine Hoffnung. Die Entscheidung des Vorstands wird wohl eine andere sein.“ Einige Trainerkandidaten saßen gestern auf der Tribüne. Hermann Andreev ließ sich dort blicken, der ehemaligen Trainer vom SV Babelsberg 03. Auch der ehemalige Bundesligaprofi Mirko Votava hatte sich eine Karte besorgt.

So viel anders sei die Vorbereitung nicht gewesen, sagte Mittelfeldspieler Ronny Nikol. „Der einzige Unterschied zu Wassilew ist, dass der Trainer seine Analyse nicht mehr übersetzen lassen muss.“ Wassilew hatte große Probleme mit der deutschen Sprache gehabt. Das ist bei Tischanski anders. Er hat sie in einem deutschen Kindergarten in Sofia gelernt.

Dass das Unentschieden gegen Burghausen glücklich war, gab auch Tischanski später zu. „So wie sich das Spiel entwickelt hat, muss man sich mit dem Punkt zufrieden geben.“ Seine Mannschaft hatte in der ersten Halbzeit die Burghausener kontrolliert, ohne aber so richtig gefährlich vor das Tor zu kommen. Als der Schiedsrichter dann schon auf die Uhr guckte und die Mannschaften in die Halbzeitpause entlassen wollte, schoss Burghausen das erste Mal im Spiel auf das Tor von Unions Keeper Sven Beuckert. Ronald Schmidt drosch den Ball vom linken Strafraumeck zum 0:1 diagonal in die obere Torecke. So ein Rückstand ist für Union kein ungewohntes Ereignis: Die Mannschaft musste in dieser Saison bis auf das Auswärtsspiel in Reutlingen immer einem 0:1-Rückstand hinterherrennen.

Zwar glich Sreto Ristic vier Minuten nach der Halbzeit für Union aus, zehn Minuten vor dem Abpfiff aber ging Burghausen durch Ronald Bonimeier erneut in Führung. Beuckert hatte den Ball sehr spät gesehen. Und trotzdem sah es mehr als unglücklich aus, dass er in seiner Ecke landete. Das Spiel war eigentlich entschieden. Burghausens Trainer Rudi Bommer sagte: „Wir haben auswärts zwei Mal geführt. So etwas darfst du dir nicht nehmen lassen.“

Tischanski gestand später sogar, dass „ich kaum noch an den Ausgleich gedacht habe“. Kurz vor dem Abpfiff aber stocherte Stürmer Salif Keita den Ball doch noch über die Linie. Präsident Bertram sprach von einem „bescheidenen Anfang.“ Ronny Nikol drückte sich da anders aus. Er sagte: „Wenn ich ehrlich bin: Eigentlich haben wir genau so gespielt wie früher.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben