Sport : Abschied in Athen

Vier deutsche Handballer erklären ihren Rücktritt

Erik Eggers[Athen]

Es war ein Abschied mit Wehmut. „Jetzt wird Melancholie aufkommen“, sagte Stefan Kretzschmar. Nachdem die 24:26-Niederlage der deutschen Handball-Nationalmannschaft im olympischen Finale gegen Kroatien besiegelt war, stand Kretzschmar minutenlang auf dem Parkett der Helleniko Indoor Arena von Athen, „um noch einmal die Atmosphäre aufzusaugen“. Als die deutschen Spieler zur Siegerehrung schritten, spürte jeder den besonderen Moment. Hier endete sie: die Geschichte einer Mannschaft, die Bundestrainer Heiner Brand, wahrlich kein Freund von Superlativen, als „sensationell“ und „großartig“ bezeichnete. Mindestens vier Spieler werden nun aufhören. „Das war definitiv mein letztes Spiel“, sagte Kretzschmar (31). Die Rücktritte von Christian Schwarzer (35), Volker Zerbe (36) und Klaus-Dieter Petersen (35) waren lange angekündigt.

Alle deutschen Spieler wirkten schon Minuten nach dem Abpfiff recht gefasst – jedenfalls im Vergleich zum WM-Finale 2003 in Lissabon, das sie ebenfalls gegen die Kroaten verloren hatten. Olympisches Gold war ein großer Traum, aber die Profis wussten dieses Turnier auch richtig einzuordnen. Diesmal hatte die fantastische Abwehr die schwachen Wurfquoten eben nicht ausgleichen können. „Wir standen ja schon im Viertelfinale gegen Spanien vor dem Aus, das muss man auch mal sehen“, sagte Daniel Stephan, „alles hing am seidenen Faden.“ Die Kroaten hingegen hatten alle Partien gewonnen und inspirierten Angriffshandball geboten, das machte es für die Deutschen leichter, die Niederlage zu akzeptieren. „Wir haben hier einiges erreicht und wieder viele Fans dazugewonnen“, sagte Stephan. So sah es auch Zerbe: „Für mich ist es ein positiver Abschied. Ich hatte eine tolle Zeit. Von einer Olympia-Medaille habe ich schon als junger Spieler geträumt.“

Trotz des Rücktritts der vier erfahrenen Spieler steht Bundestrainer Brand nun vor keiner schweren Aufgabe, wenn er darangeht, ein Team für die WM 2007 im eigenen Land aufzubauen. Es gibt einige deutsche Talente. Und dann ist da ja auch noch die Hoffnung, dass im Falle Schwarzer und Kretzschmar doch noch etwas geht. „Schwarzer könnte noch in Peking 2008 mitspielen“, sagt Brand. Auch der Fall Kretzschmar liegt nicht so klar, wie es scheint, ließ seine Managerin durchblicken. Es wird einige Gespräche geben in den nächsten Wochen zwischen dem Bundestrainer, Kretzschmar und Schwarzer. Klar ist allerdings, dass beide Spieler bei der WM 2005 in Tunesien pausieren werden. Spätestens dann wird sich zeigen, wie wichtig sie für das Nationalteam sind.

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