Adler Mannheim rauschen ins DEL-Finale : Auf dem Weg in eine neue Ära

Die Adler Mannheim drehen im DEL-Halbfinale gegen den EHC Wolfsburg zum dritten Mal einen 0:3-Rückstand noch in einen Sieg - und scheinen eine neue Ära im deutschen Eishockey einzuläuten.

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Kontrollierter Wahnsinn: Mannheims Andrew Joudrey (l.) jubelt mit seinen Teamkollegen.
Kontrollierter Wahnsinn: Mannheims Andrew Joudrey (l.) jubelt mit seinen Teamkollegen.Foto: dpa

15 Spielminuten noch. 3:0. Lässt sich im Eishockey über die Zeit bringen. Normalerweise. Der Wolfsburger Stadionsprecher brüllte, euphorisiert. „Aufstehen!“ Das Volk in der engen Wolfsburger Arena erhob sich von den orangen Schalensitzen. Endlich, nach drei vergeblichen Anläufen, schienen sie beim EHC Wolfsburg den Favoriten Adler Mannheim in der Halbfinalserie um die deutsche Eishockeymeisterschaft besiegen zu können. Doch dann kam dieser Moment. Der Augenblick mit Ansage, in dem die kleine Wolfsburger Eishockey-Gemeinde in sich zusammensackte. Mannheim traf zum 1:3. Stille. Dann übernahmen die 500 Fans aus Baden die akustische Hoheit. Denn jedem war klar, was passieren würde. Rasend schnell. Tor, Tor, Tor und noch mal Tor: 15 Minuten später hatten die Adler 5:3 gewonnen und das Finale erreicht.
Deja-vu, die Zweite. „Wir sind dreimal von einem 0:3 zurückgekommen, das ist der Wahnsinn“, sagte Mannheims Geschäftsführer Daniel Hopp. „So was hat es wohl noch nie gegeben.“ Hat es auch noch nicht gegen die wackeren Wolfsburger, die ihren Vorsprung am Donnerstag zum dritten Mal verloren gegen eine Mannschaft, die nicht nur auf dem Wege zum Meistertitel in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) ist, sondern zu einer ganzen Titelserie. Die Badener spielen seit dieser Saison nicht gegen die Konkurrenz, sondern mit ihr. Es ist eine Art kontrollierter Wahnsinn.

Adler Mannheim spielt schneller und härter als der Rest der DEL

Am Donnerstag machten die Adler nie den Eindruck, dass sie das Spiel verlieren könnten: Mannheim spielt schneller, härter und ausdauernder als der Rest der Liga. Mannheim hat die besten Verteidiger, die besten Stürmer, den breitesten Kader. Mannheim kann es sich leisten, mit Jochen Hecht einen ehemaligen Star aus der National Hockey-League (NHL) nur in Sturmreihe drei aufzubieten. Mannheim setzt – weil die Besetzung so üppig ist – einen deutschen Klasseverteidiger wie Christopher Fischer auf die Tribüne. Aber das alles reicht noch nicht, um den Erfolg erklären: Mit dem NHL-erfahrenen Kanadier Geoff Ward hat das Team offensichtlich nun einen Trainer, der es schafft, seine Stars bei Laune zu halten. Die Mannschaft hat unglaublichen Charakter“, sagt Stürmer Kai Hospelt, am Donnerstag Schütze des fünften Mannheimer Tores.

Viele der besten Mannheimer Spieler sind im besten Eishockeyalter. Der souveräne erste Platz in der Hauptrunde und nun das Durchrauschen durch die Play-offs legen die Vermutung nahe, dass der der Liga eine Dynastie droht, wie es sie zuletzt unter den Eisbären gegeben hat. Die Berliner sind inzwischen von den Adlern so weit weg wie von ihren sieben Meistertiteln in neun Jahren. Bei der Konkurrenz haben sie eben ein, zwei Schritte vorgelegt: Im Falle Mannheim ist das sicher keine Sensation, schließlich lebt der Klub seit Jahren von den Millionen seines Mäzen Dietmar Hopp, Vater von Mitgesellschafter und Geschäftsführer Daniel Hopp. Aber das Geld haben die Adler, in den Neunzigern Serienmeister in der DEL, in der Vergangenheit nicht immer gewinnbringend angelegt. Lediglich einmal – mit dem Meistertitel 2007 – konnten sie die Ära der Eisbären unterbrechen. Ein einstiger Mitarbeiter der Adler sagte einmal: „Die nehmen den Hopp aus wie eine Weihnachtsgans.“

Der erste Titel einer Ära ist der schwerste

Das war einmal, ab dieser Saison wirkt bei den Mannheimern vieles stimmig – auch wenn der Höhepunkt noch vor der Mannschaft liegt. In der Finalserie geht es ab Freitag kommender Woche entweder gegen den ERC Ingolstadt oder gegen die Düsseldorfer EG. Der Meister aus Bayern führt 3:1 in seiner „Best-of-seven“-Serie und kann bereits am Sonnabend (14.30 Uhr, live auf Servus TV) ebenfalls ins Finale einziehen. Die spielstarken Ingolstädter wären ein unangenehmer Gegner für die Adler – und zudem ist der erste Titel einer neuen Ära auch der schwerste.


Selbstredend fiel die Feier über den Etappensieg daher am Donnerstag kurz aus. Ein paar Sekunden hüpften die Mannheimer Profis beglückt im Kreis über das Eis in der Wolfsburger Arena, dann überließen sie den geschockten Gastgebern das Terrain zu ihrer improvisierten Saisonabschiedsfeier. Die Wolfsburger Fans forderten noch eine halbe Stunde nach Spielschluss Pavel Gross. Der Trainer kam schließlich zum Winken aufs Eis. Später sagte Gross: „Hut ab. Mannheim ist eine starke Mannschaft.“ Und das Schlimme für die Konkurrenz in der DEL könnte sein: Die starke Mannschaft kann noch wachsen, über einen Meistertitel hinaus.

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