Sport : Ärger in Polen um Handel mit WM-Tickets

Thomas Roser

Warschau - Viele Stunden lang blieben die Büroräume des polnischen Fußballverbands PZPN von der Polizei abgeriegelt. Es gehe um die „Sicherung von Beweismaterial“ wegen möglicher „Ungesetzlichkeiten“ bei der Vergabe des polnischen Kontingents der WM-Tickets, begründete die Staatsanwaltschaft die überraschende Hausdurchsuchung. Ähnlich wortkarg bestätigte am Dienstag Geheimdienst-Koordinator Zbigniew Wasserman die Festnahme von zwei Verdächtigen, die „nicht direkt“ mit dem PZPN verbunden seien: „Welche Kontakte sie mit dem Fußballverband hatten, wird sich erweisen.“ Einer der Festgenommenen soll ein polnischen Erstligatrainer sein.

Die Ermittlungen wegen des Verdachts illegalen Kartenhandels könnten Polens Fußballgewaltigen Ärger mit Justiz und Fifa bescheren. Aufgedeckt wurde der Skandal durch den Nachrichtensender TVN24. Mit versteckter Kamera filmte ein Reporter vor der WM das Verkaufsgespräch mit einem Schwarzmarkthändler, der Tickets zum Zehnfachen des offiziellen Preises anbot. Über einen Mittelsmann habe er Kontakte zum PZPN, sagte der Händler. Daher könne er Tickets mit Namen und Daten des Käufers besorgen. Auch beim Fußballbund „wollten alle unter der Hand an den Tickets verdienen“, hieß es. Der Reporter erwarb für 350 Euro ein Ticket mit seinem Namen für das Spiel Polen gegen Ekuador. Ein PZPN-Sprecher bezeichnete die Karte vor der Reise des Journalisten nach Deutschland als „wertlos“. Ein Irrtum. Der Name des Reporters befand sich am Spieltag im Computersystem des Ticketcenters in Gelsenkirchen.

Schon vor der WM hatten sich Medien und Fans geärgert, dass wenige Tickets in den freien Verkauf gelangten. 70 Prozent des Kartenverkaufs verteilten die PZPN-Funktionäre unter sich. Der Verband wies am Dienstag alle Vorwürfe zurück. Die Ticketverteilung sei an eine Sub-Firma vergeben worden. „Wir haben uns nichts vorzuwerfen“, sagte der in die Kritik geratene Verbandschef Michal Listkiewicz: „Man schießt mit Geschützen auf Mücken.“ Viele Fans in Polen sind ganz froh darüber.

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