AHORNBlätter (10) : Lokalnachrichten

Am Frühstückstisch seiner Gastfamilie erfährt Benedikt Voigt viele Dinge über die Olympiastarter aus Whistler - ob er will oder nicht.

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Es gibt eine Gruppe bei diesen Winterspielen, die in keiner Ergebnisliste auftaucht. Dabei ist sie mit zehn Athleten vertreten, das sind genauso viele Teilnehmer, wie Serbien aufbietet, und doppelt so viele, wie Brasilien mitgebracht hat. Die Rede ist von jenen Wintersportlern, die aus Whistler und Umgebung stammen. Die Familie, die den Olympiaberichterstatter freundlicherweise während der Spiele beherbergt, kennt jeden von ihnen.

„Mein zweitältester Sohn ist mit Britt Janyk in die gleiche Klasse gegangen“, sagt die Mutter der Gastfamilie. Und weil ihr Mann im Vorstand der örtlichen Schulen sitzt, sind ihr auch alle anderen Olympiateilnehmer aus Whistler persönlich bekannt. Jeden Morgen hält sie daher den Olympiaberichterstatter mit einer Vielzahl von mehr oder weniger wichtigen Details über die örtlichen Teilnehmer auf dem Laufenden. Zum Beispiel, dass das Elternhaus von Britt Janyk auf halber Höhe der Abfahrtsstrecke in Creekside steht. Die Sechstplatzierte der Frauenabfahrt hätte auf ihrer Schlussfahrt ins Wohnzimmer ihrer Eltern winken können, wenn sie sich die Zeit genommen hätte. „Die Mutter von Britt Janyk hat zweien unserer Söhne das Skifahren beigebracht“, sagt die Herbergsmutter, „sie ist eine sehr resolute Frau, aber sie ist mit unserem Ältesten sehr gut zurechtgekommen.“ Auch über die Skicross-Fahrerin Julia Murray, nach deren Vater Dave die Abfahrtsstrecke der Männer benannt ist, kennt sie gut. „Julia Murray ist mit unserem Jüngsten in die Schule gegangen“, sagt sie. Vielleicht sollte man erwähnen, dass die Gastfamilie sechs Kinder hat.

Am Freitagmorgen aber saß plötzlich ein neuer Gast am Frühstückstisch. Er heiße Doug, sagte er, und sei der Vorsitzende eines US-amerikanischen Skiklubs. Wer etwas über zwei Langläufer und einen Slalomfahrer aus Sun Valley, Idaho, wissen will, braucht jetzt nur den Olympiaberichterstatter fragen.

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