Sport : Alba angezählt

Nach der Niederlage im ersten Basketball-Finale gegen Köln herrscht Verunsicherung bei den Berlinern

Ingo Schmidt-Tychsen

Berlin - In der Kabine des Basketball-Bundesligisten Alba Berlin hängt eine große weiße Tafel. Die durchschnittlichen Punktzahlen und andere Parameter jedes Kölner Spielers sind mit rotem Filzstift angeschrieben, links daneben steht in großen Lettern: „Play hard, smart, together. The Alba way.“ Nach der Niederlage am Sonntagabend im ersten Finale der „Best of five“-Serie blickt kein Profi an diese Tafel. Quadre Lollis sitzt vor seinem Spind, die Arme schlaff am Körper herunterhängend, die Augen gerötet. Er starrt ins Leere, ein paar Minuten lang. Dann steht Lollis auf und verschwindet in der Großraumdusche, schweigend. Auch die anderen Spieler sagen kein Wort. Die Stimmung nach der 79:88-Niederlage gegen Köln ist so bedrückend, als hätte Alba die Finalserie bereits verloren.

Einer konterkariert die kollektive Niedergeschlagenheit. Mike Penberthy trägt Badelatschen und eine Jogginghose, er steht vor der Kabine und lächelt. „Wir sind noch immer der Favorit auf den Gewinn der Meisterschaft.“ Schon im Spiel unterschied sich Penberthy vom Rest der Mannschaft. Der 31-Jährige wurde im vierten Viertel erneut eingewechselt, Alba lag zurück. Er sollte möglichst häufig aus der Distanz werfen, ein spektakulärer Dreier aus großer Entfernung war ihm bereits gelungen. Obwohl er dieses Kunststück in der Schlussphase noch einmal schaffte, suchten seine Mitspieler Penberthy kaum noch, er bekam keine Pässe.

Penberthy ist nicht richtig fit. „Das werde ich in dieser Saison auch nicht mehr“, sagt er. Gut zwei Wochen lang hatte er zuletzt gefehlt, das Spiel gegen Köln war sein überraschendes Comeback. Mitte April war er an der Leiste operiert worden, drei Wochen später begann er zu spielen. „Ich habe zu früh wieder angefangen. Die Ärzte haben mir grünes Licht gegeben, das war möglicherweise ein Fehler“, sagt Penberthy. Er musste noch einmal pausieren, sein erneut früher Einstieg hat laut Penberthy nur einen Grund:„Weil Jovo fehlt, muss ich jetzt wieder eingreifen. Sonst hätte ich mir Zeit bis zum nächsten Sonntag gelassen.“ Jovo Stanojevic hat sich vor einer Woche im Halbfinalspiel einen Kreuzbandriss zugezogen. Zuvor war er von einer Jury aller Ligatrainer zum wertvollsten Spieler der Hauptrunde gewählt worden. Die erste Begegnung mit Köln veranschaulichte die Abhängigkeit der Berliner von ihrem Center. „Das ganze Team wurde um ihn herum aufgebaut. Jetzt müssen wir einen Weg finden, um ohne ihn auszukommen“, sagt Penberthy. Wie könnte der aussehen für Spiel zwei am Donnerstag in Köln? „Wir hatten Schwierigkeiten mit den Größenvorteilen der Kölner. Diesen Nachteil sollten wir durch noch schnelleres Spiel ins Gegenteil verkehren“, sagt Penberthy.

Die Kölner waren souverän aufgetreten am Sonntagabend. Sie ließen sich den rasanten Stil der Berliner nicht aufdrücken, sondern nahmen das Tempo aus der Begegnung. Aleksandar Nadjfeji überragte mit entschlossenen Aktionen, ihm gelangen 19 Punkte. „Wenn wir Köln schlagen wollen, müssen wir ihn stoppen“, sagt Albas Nenad Canak. Allerdings werden es die Berliner am Donnerstag mit einem weiteren gefährlichen Kölner zu tun kriegen. Immanuel McElroy kehrt nach drei Spielen Sperre, die nach der Prügelei im Halbfinale gegen Bamberg verhängt wurde, in die Mannschaft zurück. „Er ist unser wertvollster Spieler“, sagt Kölns Trainer Sasa Obradovic.

Die Finalserie hat gerade erst begonnen. Alba muss aufpassen, dass sie nicht schnell wieder vorüber ist.

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