Alba Berlin : 34 Stunden Irrfahrt

Der Wintereinbruch geht auch an Alba Berlin nicht spurlos vorüber. Die Rückreise aus Caserta dauerte jedenfalls deutlich länger als geplant.

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Sitzriesen. Alba Berlins Basketballer wussten lange nicht, wann sie nach Hause kommen würden. Foto: promo
Sitzriesen. Alba Berlins Basketballer wussten lange nicht, wann sie nach Hause kommen würden. Foto: promo

Berlin - Bisher lag Alba Berlins Rekord für die Rückreise von einem Eurocup-Einsatz bei 27 Stunden, aufgestellt nach dem Final-Four-Turnier im baskischen Vitoria im Frühjahr. Damals machte die isländische Vulkanasche alle Flugpläne zunichte und zwang die Basketballer auf eine nicht enden wollende Bustour. Diese vereinseigene Bestmarke hat Alba nach dem 79:73 (40:37)-Sieg in Caserta locker überboten: Nachdem der Wintereinbruch eine Heimreise mit dem Flugzeug oder per Bahn unmöglich gemacht hatte, mussten die Berliner eine unplanmäßige Übernachtung in Bamberg und einen langen Tag im Bus auf sich nehmen. Berlin erreichten Mannschaft, Trainer und Betreuer erst am Donnerstagabend kurz vor der Tagesschau, rund 34 Stunden nach der Abreise in Süditalien. „Wir haben das alle mit erstaunlich viel Humor aufgenommen“, sagte Albas Team- Manager Mithat Demirel.

Die Abreise aus Caserta war am Donnerstagvormittag noch planmäßig erfolgt. Per Bus fuhr die Mannschaft nach Neapel, von dort ging es mit dem Flugzeug weiter nach München. Dort hieß es am Flughafen zunächst, der Weiterflug nach Berlin werde sich aufgrund des starken Schneefalls verzögern – zuerst um eine halbe Stunde, dann um weitere 30 Minuten. Um 16 Uhr wurde allen Fluggästen dann mitgeteilt, der Flugverkehr sei komplett und für lange Zeit eingestellt. Inmitten von anderen hektischen Reisenden machten sich die Berliner mit der S-Bahn zum Münchner Hauptbahnhof auf, um Berlin wenigstens noch per Zug zu erreichen.

Nach Verspätungsmeldungen im Fünf- Minuten-Takt fuhr der Zug um 18.30 Uhr in München ab, kam aber nur bis Nürnberg, wo er wegen eines Defekts stundenlang liegen blieb. Kurz vor 22 Uhr konnten die Fahrgäste in einen Ersatzzug umsteigen – mit dem es trotzdem nicht weiterging, Schneeverwehungen im Thüringer Wald machten eine Fahrt in Richtung Berlin unmöglich. Ein frustrierter Passagier fing sogar einen Streit mit einem Schaffner an. „Erst fielen Beleidigungen, dann hat er ihm die Mütze vom Kopf geschlagen“, berichtete Mithat Demirel. Die Polizei holte den cholerischen Fahrgast ab, bis sechs Uhr morgens sollte es nicht weitergehen, das Rote Kreuz kündigte an, die Fahrgäste in der Nacht zu versorgen.

Eine Übernachtung im Zug allerdings wollten die Berliner vermeiden. Nach Anrufen bei mehr als 25 Hotels in Nürnberg und Umgebung – die allerdings alle wegen des Nürnberger Christkindlemarktes ausgebucht waren – erbarmte sich das Busunternehmen, das sonst den Bundesligakonkurrenten aus Bamberg durchs Land kutschiert. Um Mitternacht holte der Bus das Team am Nürnberger Bahnhof ab, eineinhalb Stunden später hatten die Berliner ein Hotel in Bamberg erreicht.

Nach einer kurzen Nacht lief die Weiterfahrt am Donnerstagvormittag auch nur wenige Kilometer flüssig, ehe der Bus das nächste Stau-Ende erreichte. Von der erhofften Ankunftszeit am Nachmittag mussten sich die Berliner bald verabschieden. Am Hermsdorfer Kreuz, rund 250 Kilometer vor Berlin war nach einem LKW-Unfall die Autobahn 9 blockiert, ein Umweg über die A 4 brachte den Bus aber kaum schneller voran.

Zwischenzeitlich hatte sich Alba bereits darum bemüht, dass Bundesligaspiel am Samstagabend in Braunschweig (19 Uhr, live bei Sport1) zu verlegen. „Wir hatten die Liga über die Situation informiert“, sagte Mithat Demirel. „Wir wussten ja nicht, wann wir nach Hause kommen – es hat geschneit und geschneit.“

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