Sport : Alba Berlin: Der Abend der Emotionen

Benedikt Voigt

Manchmal kann eine kleine Geste ein ganzes Basketballspiel erklären. Am Donnerstagabend fuchtelte Dejan Koturovic, nachdem er zum zweiten Mal einen Wurf von Fragiskos Alvertis geblockt hatte, mit seinem rechten Zeigefinger vor dem Gesicht des Flügelspielers von Panathinaikos Athen herum. "Ich wollte die Zuschauer ins Spiel bringen und ein bisschen provozieren", erklärte Alba Berlins Centerspieler später. Alvertis reagierte ungehalten, denn die Botschaft des drohenden Fingers war unmissverständlich: Nicht hier, nicht heute, nicht gegen uns.

"Alba hatte den größeren Willen", gab Athens Trainer Zeljko Obradovic zu, "bei uns dachten manche Spieler, es reicht, mit einem berühmten Namen auf dem Spielfeld zu stehen." Was wirklich nötig war, um das Suproleague-Spiel 79:71 zu gewinnen, zeigte Jörg Lütcke im letzten Viertel. Mit einem Hechtsprung fing der Flügelspieler von Alba Berlin einen freien Ball. "Wie Oliver Kahn", schwärmte Albas Vizepräsident Marco Baldi. Noch so eine Szene, die von der Entschlossenheit zeugt, mit der die Mannschaft von Trainer Emir Mutapcic eines der besten europäischen Vereinsteams besiegte. Baldi sagt: "Gegen so einen hochklassigen Gegner geht es nur mit Emotionen und Kampf."

Emotionen und Kampf gab es auf dem Spielfeld zu Genüge. Dejan Koturovic und Wendell Alexis rangen mit ihren Gegenspielern Zeljko Rebraca und Darryl Middleton, als suchten Schifferstadt und Aalen den kommenden Ringermeister. Die großzügigen Schiedsrichter erlaubten vor allem den Athenern einige seltsame Griffe, was wiederum die meisten der 5367 Zuschauer erzürnte. Bei Alba Berlin dominierten der immer besser spielende Aufbauspieler Derrick Phelps (20 Punkte, 6 Rebounds) und Wendell Alexis, der in 32 Minuten auf 16 Punkte kam und trotz seiner anhaltenden Verletzungsprobleme fast zu alter Stärke fand. Insgesamt aber überzeugte Alba als Team.

"Es war eines von den ganz besonderen Spielen", sagte Henrik Rödl, "das bringt Selbstvertrauen für kommende Aufgaben." Baldi freute sich mit seinem Mannschaftskapitän: "Da bleibt etwas Positives hängen." Die aufkeimende Euphorie nach dem Sieg über eines der besten Teams Europas war dem Vizepräsidenten nicht ganz geheuer, weshalb er schon mal vor dem heutigen Bundesligaspiel in Trier warnte: "Das wird jetzt richtig schwierig." Dann aber konnte sich der Basketball-Funktionär der freudigen Stimmung auch nicht mehr entziehen. Als Mutapcic vorbeiging, drückte ihm Baldi ein Küsschen auf die Wange. Es war der Abend der Emotionen.

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