Alba Berlin : Die imperfekte Welle

Albas Jubel über den Erfolg in der Europaliga wird durch das schlechte Spiel gegen Ljubljana getrübt.

Lars Spannagel
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Keine Chance auf eine Show. Adam Chubb (links) wird von Ljubljanas Center Mirza Begic unsanft am Korbleger gehindert. Foto: ddp

Berlin - Alba Berlin war gerade einer der größten Erfolge der Vereinsgeschichte geglückt – trotzdem mussten sich die Spieler Pfiffe anhören. 14 800 Zuschauer waren am Donnerstagabend in die ausverkaufte Arena am Ostbahnhof geströmt, die größte Kulisse aller Zeiten bei einem deutschen Basketball-Europokalspiel. Einen Sieg der Berliner hatten die Leute sehen wollen, einen triumphalen Einzug in die Europaliga-Zwischenrunde. Mit der Runde der besten 16 Mannschaften klappte es aber nur, weil der Konkurrent Badalona in Vitoria nicht gewinnen konnte. Albas Spiel gegen den Slowenischen Meister Olimpija Ljubljana ging auf enttäuschende Art und Weise 59:67 (30:31) verloren.

„Wir sind vor der Größe der Aufgabe erschrocken“, gab Albas Geschäftsführer Marco Baldi zu. „Wir haben Nerven gezeigt und dem Druck nicht standgehalten.“ Sportlich kann der Deutsche Meister mit der Niederlage gut leben, die schwache Vorstellung gegen Ljubljana jedoch hinterließ „einen bitteren Geschmack“, wie es Trainer Luka Pavicevic formulierte. Auffallend war, dass viele Zuschauer bereits die Halle verließen, als noch gar nicht klar war, ob Badalona nicht doch noch gewinnen würde. Damit gaben sie sich als Nicht-Alba-Fans zu erkennen: Welcher Anhänger einer Mannschaft geht schon nach Hause, solange das sportliche Schicksal seines Herzensklubs noch in der Schwebe hängt?

Trotzdem verkündete Baldi, dass es von ihm an diesem Abend „nichts Negatives“ geben werde. „Wir hatten auch schon in der Max-Schmeling-Halle Pfiffe, damit habe ich kein Problem“, sagte Baldi, musste aber auch zugeben, dass Alba „die Welle, die da gerade schwappt“, gerne noch erhöht hätte. Alba hat nach den fünf Heimspielen der Vorrunde mit knapp 12 000 Zuschauern den höchsten Schnitt aller 32 Europaligateams, in den nun erreichten drei weiteren Heimspielen gegen die im Wettbewerb verbliebenen Spitzenklubs dürfte diese Zahl kaum sinken. Auch wenn Alba als „absoluter Underdog“ (Baldi) am 28. oder 29. Januar in die Zwischenrunde startet. Die Chance, den Rückenwind eines grandiosen Heimsiegs mitzunehmen und ein paar Event-Fans in Alba-Fans zu verwandeln, verpassten die Berliner am Donnerstag allerdings.

Trotz aller Unzufriedenheit mit dem zerfahrenen Spiel ließ auch Pavicevic keinen Zweifel daran aufkommen, dass er hochzufrieden mit den vergangenen Wochen ist: „Wir haben das nicht durch Glück geschafft, sondern mit hart erkämpften Siegen.“ Gegen Ljubljana lief vor allen Dingen im Angriff wenig zusammen, in der zweiten Hälfte gelang Alba kein einziger Dreipunktewurf mehr, sieben Mal versagten den Berlinern an der Freiwurflinie die Nerven. Allein Immanuel McElroy und Adam Chubb punkteten mit 13 und zwölf Zählern zweistellig. „Entscheidend, ist, dass wir eine Runde weiter sind“, sagte Pavicevic. „Und zwar mit dem Wissen, dass wir es verdient haben, unter den besten 16 Teams Europas zu stehen.“

In der Zwischenrunde starten alle Mannschaften wieder mit null Punkten, Alba als Gruppenviertem wird je ein Erster, Zweiter und Dritter zugelost. Die Berliner können nicht mehr auf die Klubs treffen, mit denen es der Klub schon in der Vorrunde zu tun hatte.

Einen Wunschgegner hat Alba nicht. Marco Baldi konnte beim Gedanken an die kommenden Aufgaben immerhin wieder lächeln: „Wir können sowieso nur richtige Brocken bekommen.“ Und Olimpija Ljubljanas Trainer Jure Zdovc fand am Ende des Abends auch noch etwas Positives, um Albas leicht zerknirschten Coach aufzumuntern: „Vielleicht hat Luka durch die Niederlage jetzt einen Grund, seinen Spielern noch mehr Druck zu machen.“

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