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Alba verliert entscheidendes Finalspiel gegen Bayern : Meisterschaft beim Erzrivalen

Der FC Bayern München ist neuer deutscher Basketball-Meister. In hitziger Atmosphäre in der Arena am Ostbahnhof setzt sich die Mannschaft von Trainer Svetislav Pesic mit 75:62 durch. Dabei machte ausgerechnet ein früherer Alba-Spieler den Unterschied.

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Ausgelassener Jubel: Trainer Svetislav Pesic und der FC Bayern nach dem Sieg im entscheidenden Finalspiel.
Ausgelassener Jubel: Trainer Svetislav Pesic und der FC Bayern nach dem Sieg im entscheidenden Finalspiel.Foto: dpa

Diese Genugtuung wollte sich Heiko Schaffartzik nicht nehmen lassen. Als der gebürtige Berliner und ehemalige Alba-Profi 37 Sekunden vor Ende des vierten Finalspiels um die deutsche Basketball-Meisterschaft vom Feld ging, klatschte der 30-Jährige den buhenden Zuschauern erst Beifall und verneigte sich dann in alle vier Himmelsrichtungen. Die Alba-Fans reagierten mit ohnmächtigen Pfiffen, Schaffartziks Triumph, die 62:75 (30:33)-Niederlage ihres Teams und die Meisterschaft des FC Bayern München konnten sie nicht verhindern. Im vierten Spiel setzten sich die Bayern souverän durch und krönten sich mit 3:1-Siegen zum Meister, Alba blieb nach Neuaufbau, Pokalsieg und eindrucksvoller Saison der ultimative Preis verwehrt. „Gratulation an Bayern, sie verdienen den Titel. Das bessere Team hat gewonnen“, sagte Albas Trainer Sasa Obradovic. „Aber ich fühle mich nicht als Verlierer. Wir haben in dieser Saison alle Erwartungen übertroffen.“

Die 13.434 Zuschauer in der nicht ausverkauften Arena am Ostbahnhof sahen von Beginn an ein Alba-Team, das mit unbedingtem Kampf ein entscheidendes fünftes Spiel erzwingen wollte. Center Leon Radosevic hatte nach gut drei Minuten bereits neun Punkte erzielt, am Ende war er mit 21 Zählern Topscorer des Spiels. Nach dem ersten Viertel wollte der gelbe Fanblock ein kleines Statement loswerden. Die Berliner Fans feierten Geschäftsführer Marco Baldi mit einem Transparent.  „Baldi – Du bist Alba – unser Stolz“ war dort zu lesen. Der so gefeierte – und zuletzt von Bayern-Trainer Svetislav Pesic scharf attackierte – drehte sich kurz zu den Fans um und bedankte sich. Dann zeigte Baldi aber auf das Feld: Die Alba-Anhänger sollten sich lieber auf die Unterstützung ihres Teams konzentrieren.

Schwach von Draußen, Redding ohne Punkte

Allerdings waren nur ein Treffer bei zehn Versuchen von der Dreipunktelinie sowie null Punkte von Reggie Redding bis zur Halbzeit zu wenig, um die konzentrierten Münchner aus dem Konzept zu bringen. Vor dem Beginn der zweiten Hälfte rannte der Anführer des Alba-Fanblocks mit seinem Megaphon rund ums Spielfeld, um jeden einzelnen Zuschauer noch einmal zu motivieren, in den letzten 20 Heimspiel-Minuten der Saison doch bitte schön ein bisschen Krach zu machen. Bei aller Lautstärke schien aber der entscheidende Funke zu fehlen – auf dem Feld und auf den Rängen.

Nach zwei Dreiern von Bayern-Kapitän Steffen Hamann lagen die Münchner mit neun Punkten vorn. Obradovic nahm eine dringend notwendige Auszeit und strich sich lange mit versteinerter Miene über seine Glatze, ehe er das Wort an seine Spieler richtete. Seine Ansprache fand Gehör: Die Berliner stürmten mit zehn Punkten in Serie zurück ins Spiel und gingen in Führung. Die Bayern wankten kurz, richteten sich aber an Bryce Taylor wieder auf. Der ehemalige Alba-Profi (16 Punkte) traf zwei schwierige Dreipunktewürfe und nahm auf der Gegenseite Albas kreativen Kopf Reggie Redding völlig aus dem Spiel, der nur fünf Punkte erzielte.

Schaffartzik als Reizfigur

Auch der beharrlich ausgepfiffene Schaffartzik traf drei Dreier hintereinander – was die Berliner aber tatsächlich das Spiel kostete, waren die Bälle, die nicht in den Korb fielen. Jeder Rebound landete nun in den Händen der Gäste, spätestens bei der zweiten, dritten oder vierten Wurfchance punktete München. Der Motor der Berliner, der sie unbeirrt durch die ganze Saison hatte rollen lassen, war mit leerem Tank zum Stehen gekommen. Eine Minute vor Spielende holte Obradovic Redding vom Feld, nach seinem wohl schwächsten Saisonspiel zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt schlich der 25-Jährige mit hängendem Kopf zur Bank.

Mit der Schlusssirene jubelten die Bayern, Schaffartzik sprang erst über das Feld und dann seinem Mitspieler Yassin Idbihi in die Arme. „Es war etwas Besonderes, die Meisterschaft hier zu holen“, weil es zuletzt so viele Anfeindungen aus Berlin gab“, sagte Schaffartzik. „Besonders die Pfiffe gegen Svetislav Pesic haben mich sehr gestört.“ Die Bayern-Profis warfen ihren Trainer durch die Luft, bei der Siegerehrung feierte das Berliner Publikum den Vizemeister und pfiff den neuen Titelträger  gnadenlos aus. Viele Zuschauer hatten bereits die Halle verlassen, bevor die Bayern den Pokal überreicht bekamen. Der Graben zwischen den beiden deutschen Basketballgiganten ist an diesem Abend noch um einiges tiefer geworden.

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