Alba vor dem Neuanfang : Zurück nach Charlottenburg

"Wir wollten einen Kern halten", sagt Geschäftsführer Marco Baldi, nachdem wieder fast die gesamte Alba-Mannschaft umgekrempelt worden ist. Sportlich wird nun eine neue alte Richtung einschlagen.

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Nachdenklich: Marco Baldi hat mal wieder das Alba-Team umgekrempelt.
Nachdenklich: Marco Baldi hat mal wieder das Alba-Team umgekrempelt.Foto: Camera4

Demnächst eröffnet der neue Fanshop von Alba Berlin in der Knesebeckstraße, die Geschäftstelle zwei Stockwerke darüber aber ist bereits eingetroffen. Die Verantwortlichen des Basketball-Bundesligisten Alba Berlin sind umgezogen, weg aus Prenzlauer Berg, zurück nach Charlottenburg, wo der Klub in den Neunzigerjahren groß geworden ist. Zwar bleibt die Geschäftsstelle des stark gewachsenen Jugend- und Amateurbereichs in Prenzlauer Berg, doch angesichts der jüngsten Entwicklung trägt der Umzug der Alba Berlin Basketballteam GmbH auch eine Symbolik in sich: Alba kehrt zu seinen Wurzeln zurück.

Marco Baldi sitzt mit Sportdirektor Mithat Demirel an einem Tisch in der neuen Geschäftstelle, gemeinsam versuchen sie die Ereignisse nach dem erneuten Play-off-Aus im Viertelfinale zu beschreiben. Es herrscht Klärungsbedarf. Zuvor saßen zwei weitere Zeitungen beim Alba-Geschäftsführer und stellten dieselben Fragen: Warum hat Alba wieder fast die gesamte Mannschaft umgekrempelt? Und: Welche Idee steckt hinter der aus jungen, unerfahreneren deutschen Spielern bestehenden Mannschaft?

„Wir wollten einen Kern halten“, sagt Marco Baldi. Der totale Umbruch sei nicht geplant gewesen. Doch Vule Avdalovic und Nathan Peavy verletzten sich schwer. Yassin Idbihi, Zach Morley und Deon Thompson habe man frühzeitig Angebote gemacht, die diese nicht annehmen wollten. Schließlich komme noch der Berliner Heiko Schaffartzik hinzu, der nach Streitigkeiten mit der Vereinsführung um die Auflösung seines Vertrages gebeten hatte. „Hätten wir jetzt sechs von zwölf Spielern unter Vertrag, wäre das ein völlig anderes Bild“, sagt Marco Baldi. Nun aber half der Abschied fast aller Spieler einen Weg zu gehen, den Alba ohnehin beschreiten wollte. „Eine neue Klarheit“, nennt das Baldi, „wir wollen einen Stamm haben, mit dem wir mittelfristig etwas aufbauen können, und den flankieren wir mit sehr guten Spielern.“

Dieser Stamm besteht nun aus jungen deutschen Spielern wie dem 23 Jahre alten Center Jonas Wohlfahrt-Bottermann, dem 21 Jahre alten Deutsch-Israeli Bar Timor oder dem 18 Jahre alten Ismet Akpinar, die alle mit Drei- oder Vierjahresverträgen ausgestattet worden sind. Gegenwärtig sucht Alba nur noch einen deutschen Power Forward – Jan Jagla oder Sven Schultze sind Kandidaten für diese Position – und zwei großgewachsene ausländische Spieler.

„Früher haben wir uns auch wegen der Europaliga-Qualifikation den Druck gemacht, sofort eine funktionierende Mannschaft haben zu müssen“, sagt Mithat Demirel, „wir hatten keine Zeit, die Entwicklung von Spielern voranzutreiben.“ Tatsächlich gibt es kaum Spieler, die sich nach den Meisterjahren bei Alba Berlin verbessert haben: Bobby Brown sicherlich, der Aufbauspieler aus dem letzten Meisterjahr 2008, oder Bryce Taylor, der künftig für Bayern spielt. „Deon Thompson“, wirft Baldi ein. Tatsächlich aber standen die Berliner eher dafür, deutsche Spieler wie Philipp Zwiener oder Lucca Staiger nicht weiterentwickelt zu haben. „Das hatte auch damit zu tun, dass wir alles Mögliche versucht haben: Meisterschaften zu gewinnen, Europaliga zu spielen“, sagt Baldi. Das sei künftig anders.

„Man muss der neuen Mannschaft Zeit geben, in zwei, drei Monaten wird sie nicht auf höchstem Niveau spielen“, sagt Mithat Demirel. Womöglich müssen die Berliner sogar zeigen, ob sie über eine Saison Geduld aufbringen können. Einen Namen für dieses Entwicklungskonzept will Marco Baldi nicht nennen. „Berlin wird Bonn“, schrieb der Tagesspiegel, weil es unter den Verfolgern des aktuellen Serienmeisters Bamberg und des aktuellen Etatmeisters Bayern München ähnliche Vorhaben gibt. Und weil von diesem Team nicht sofort der Meistertitel verlangt werden kann. „Das Risiko ist größer“, gibt Baldi zu, „wir glauben aber, dass wir ein wettbewerbsfähiges Team haben.“ Letztendlich werde das sportliche Ergebnis das Etikett für das Berliner Projekt geben.

Und die Möglichkeit besteht auch, dass sich die junge Mannschaft als hungriger, ehrgeiziger und aggressiver erweist als die Teams der vergangenen Jahre. Dass sich die Mannschaft mehr mit der Rolle des Jägers von Bamberg und Bayern München identifizieren kann. „In diese Richtung soll es gehen“, sagt Baldi. Also zurück zu jener Rolle, die der Basketballklub Alba Berlin schon einmal Mitte der Neunzigerjahre innehatte. Als er noch in Charlottenburg beheimatet war.

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