Sport : Alba: Wenig Zeit für ein Bier

Benedikt Voigt

Emir Mutapcic ist ein netter Mensch, deswegen sagte er auf der Pressekonferenz. "Entschuldigen Sie, aber ich möchte jetzt ein Bier trinken." So viele Fragen nach der Zukunft von Alba Berlin wollte er nicht beantworten, er hatte gerade doch den ersten Titel seiner Trainerkarriere geholt. Das muss gefeiert werden, und zwar in der Gegenwart.

Doch eine wichtige Entscheidung für die Zukunft des Deutschen Meisters steht bereits heute an. Heute läuft die Anmeldefrist für die Euroleague ab, zu der Alba bis jetzt nicht gemeldet hat. Die Berliner haben aber keine Alternative, wenn sie in der kommenden Saison in einem europäischen Wettbewerb spielen wollen. Seit der Basketballweltverband Fiba der Einigung mit der Union unabhängiger europäischer Vereine (Uleb) über eine einheitliche Basketballliga nicht zugestimmt hat, gab es eine kuriose Entwicklung. Die Uleb führt nun die Euroleague wie in der vergangenen Saison in Eigenregie durch. Weil die Suproleague der Fiba in der kommenden Saison wegen der Pleite der Sportrechtefirma ISL gar nicht mehr existiert, müssen sich nun auch die Suproleague-Klubs der anderen Liga anschließen.

Zwar garantiert die Euroleague den Berlinern die Teilnahme für die nächsten zwei Jahre, doch es gibt noch Anlass bis zur letzten Sekunde zu verhandeln. So vermarktet die Uleb nicht nur das Fernsehen zentral, sondern auch die Marketingrechte. Das wiederum bereitet Alba Probleme mit den bereits vorhandenen Sponsorenverträgen. Die künftigen Euroleague-Klubs bekommen 300 000 Dollar für ihre Teilnahme.

Neben der Euroleague stehen wichtige Personalentscheidungen an. Der Vertrag von Wendell Alexis läuft ebenso aus wie die Kontrakte von Derrick Phelps, Teoman Öztürk und Jörg Lütcke. Ob Alba auf der Spielmacherposition endlich einmal Kontinuität beweist oder ob anstelle von Phelps ein anderer Spielmacher verpflichtet werden muss, ist fraglich. "Das hängt vom Gesamtkonzept ab", sagt Kerner. Und was macht Jörg Lütcke, der seit seiner Kindheit immer für den TuS Lichterfelde oder Alba Berlin spielt? Es ist gut möglich, dass der ehemalige Alba-Spieler Stephan Baeck, der beim Bundesliga-Neuling Cologne 99ers Manager ist, auch Spieler vom Deutschen Meister Alba Berlin abwerben will. Auf der anderen Seite dementierte Trainer Emir Mutapcic jeglichen Kontakt zu Leverkusens Forward John Best.

Für die Nationalspieler beginnt die Zeit der Vorbereitung auf die Europameisterschaft (31. August bis 9. September). Dejan Koturovic steht im Kader der jugoslawischen Nationalmannschaft, Henrik Rödl würde gerne für Deutschland spielen, aber macht einen Einsatz abhängig von seiner körperlichen Verfassung. Im August startet auch das Training von Alba. Aber daran wollte am Samstag keiner denken. Die Spieler wollten feiern.

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