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Alle Dübel mitgenommen : Wie den Schweden das Wunder von Berlin gelang

17.10.2012 21:48 Uhrvon
Rasmus Elm (li.) freut sich mit seinen Teamkameraden über den Treffer zum 4:4.Bild vergrößern
Rasmus Elm (li.) freut sich mit seinen Teamkameraden über den Treffer zum 4:4. - Foto: dpa

Vier Gegentore in einer halben Stunde, wie konnte das passieren? Sicher war die ungeahnte Motivationskunst von Zlatan Ibrahimovic Teil dieses Wunders, doch der andere Teil kam von der Bank.

Selbstverständlich haben die deutschen Fußballfreunde auch am Dienstagabend ihren Ikea-Song gesungen. Der Ikea-Song wird zur Melodie von Yellow Submarine wie folgt gesungen: „Ihr seid nur ein Möbellieferant! Möbellieferant! Möbellieferant!“ Das Liedchen geht zurück auf die WM 2006, als die Deutschen im Achtelfinale von München schnell 2:0 führten, die gedemütigten Schweden sich willenlos in ihre Niederlage fügten und nicht mal ein Elfmetergeschenk annehmen wollten.

Lange her.

Am Dienstag, in der WM-Qualifikation zu Berlin, kam der Möbellieferant noch einmal zurück. Nach einem 0:4-Rückstand nahm er alle Dübel mit, worauf das Gebäude des deutschen Spiels zusammenkrachte und am Ende ein kurioses 4:4 stand.

Schwedens Trainer Erik Hamrén freute sich über ein „lustiges Spiel“. Die Boulevardzeitung „Expressen“ rühmte die historische Dimension in der Sprache des Gegners, mit einem vierfachen „Danke!“ auf der Titelseite. Ein „Danke“ für jedes Tor, womit auch der deutsche Anteil angemessene Würdigung erfuhr.

Wie konnte das passieren? Vier Gegentore in einer halben Stunde, und das gegen eine nicht unbedingt für offensive Wucht bekannte Mannschaft? Schweden hat in den vergangenen fünf Jahren überschaubare 1,6 Tore pro Spiel erzielt, gerade sechsmal waren es mehr als drei auf einen Schlag: gegen Malta, Albanien Finnland, Katar und zweimal gegen San Marino.

Historische Parallelen? Gibt es nur bedingt. Da war das Champions-League-Finale 2005 in Istanbul, als der FC Liverpool noch einen 0:3-Rückstand gegen den AC Milan aufholte und am Ende im Elfmeterschießen obsiegte. Bei der WM 1962 in Chile bescherte die Sowjetunion den Kolumbianern nach einer 4:1-Führung noch ein 4:4. Deutsche Fans erinnern sich vielleicht noch an ein 3:3 gegen Brasilien nach einem 0:3-Pausenrückstand, aber das ist auch schon bald zwanzig Jahre her.

Aber ein 4:4 nach einer 4:0-Führung, und das in einem Pflichtspiel auf höchstem internationalen Niveau? „So etwas hat es meiner Meinung nach noch nie gegeben“, sagte Erik Hamrén, „ich kann mich jedenfalls an nichts erinnern, und ich mache den Job seit 30 Jahren.“ Am Dienstag kam ihm zupass, dass er den Job nicht allein machen musste. Boshafterweise hatten die Schweden gleich zwei Trainer mitgebracht. Sie setzten den einen auf die Bank und stellten den anderen auf den Rasen, wo er den Kollegen im Halbminutentakt einbimste, dass sie sich gefälligst zusammenzureißen hätten.

Zlatan Ibrahimovic hat am Dienstag vielleicht das Spiel seines Lebens gemacht. Eines, das seinem von Oberflächlichkeit und Egozentrik geprägten Image eine dramatische Änderung verleiht. Berlin erlebte die Geburt des Spielertrainers Ibrahimovic, der sich auch angesichts eines nur scheinbar aussichtslosen Rückstandes nicht zu schade war für Ecken, Einwürfe, Freistöße und nicht enden wollende Ansprachen, sie richteten sich ausnahmsweise nicht gegen Schiedsrichter oder Gegenspieler, sondern an die eigene Mannschaft. Das begann zur Halbzeit mit einer mitreißenden Kabinenpredigt, von der Verteidiger Jonas Olsson später erzählte, dass „wir jetzt diese verdammte Spiel so zu spielen hätten, damit wir mit einer gewissen Würde nach Hause fahren können“. Trainer Erik Hamren rühmte seinen Kapitän später als einen, der „die Mannschaft sehr gut gecoacht hat“.

Auf dem Platz wirkte es erst etwas lächerlich, als Ibrahimovic nach seinem Tor zum 1:4 den Ball unter den linken Arm klemmte und mit dem rechten die Mitspieler zur Eile mahnte. Er hat doch nicht wirklich geglaubt, dass da noch etwas möglich sei … „Doch, doch“, sprach Ibrahimovic. „Als Spieler musst du immer daran denken, dass es erst nach 90 Minuten vorbei ist. Selbstverständlich habe ich nach dem Tor an unsere Chance geglaubt. Ich glaube immer, dass noch etwas geht!“

Seine ungeahnte Motivationskunst war der eine Teil dieses Wunders. Der andere kam von der Bank. Die von Hamrén eingewechselten Kim Källström und Alexander Kacaniklic waren an drei der vier Tore beteiligt, womit sie sich doch sehr abhoben von Joachim Löws Ergänzungsspielern Mario Götze und Lukas Podolski. Beide sind nicht gerade der Situation angemessene Defensivspezialisten.

Aber was sollte schon passieren gegen einen Möbellieferanten?

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