Sport : Alle für einen

Die ganze Basketball-Bundesliga hilft Würzburg – trotzdem droht die Pleite

Stefan Mantel[Würzburg]

Als Michael Berghammer im Februar vor die Presse trat, schien das Aus für den Basketball-Bundesligisten TSK Würzburg, auch X-Rays genannt, gekommen. „Wir werden der X-Rays-Sportmarketing GmbH empfehlen, Insolvenz anzumelden“, verkündete der Vorsitzende des Wirtschaftsbeirats des Erstligisten. Zur Sicherung der Existenz fehlten dem Klub 300 000 Euro. In aller Eile hatten verschiedene Sponsoren noch schnell 145 000 Euro auf ein Treuhandkonto überwiesen. Zu wenig. „Wir werden das Geld an die Spender zurück überweisen“, sagte Berghammer.

Doch noch kann sich Berghammer die Überweisungen sparen. Denn in einer bislang einmaligen Solidaritätsaktion sammelten zehn BBL-Klubs 91 000 Euro für die Würzburger. Zum Kreis der Spender zählt auch Alba Berlin, das heute (18.30 Uhr, live auf Premiere) in Würzburg spielt. Darüber hinaus erklärte sich die Liga bereit, im Rahmen des laufenden Lizenzierungsverfahrens bei den Würzburgern 200 000 Euro Verbindlichkeiten für die neue Saison zu akzeptieren. „Wir haben eine moralische Verpflichtung gegenüber diesem Verein“, sagte Wolfgang Wiedlich, Präsident der Telekom Baskets Bonn. Der ehemalige Sponsor des TSK Würzburg, der Textilhersteller S.Oliver, war vor einigen Jahren beim Bundesligisten ausgestiegen, um Sponsor der Liga zu werden. Erst damit hatten die finanziellen Probleme in Würzburg begonnen. „Im selben Verhältnis, wie es der Liga besser ging, ging es den X-Rays schlechter“, sagt Wiedlich.

Erstmals nach Jahren der Distanz signalisierte nun auch das Umfeld von Holger Geschwindner Hilfsbereitschaft. Der frühere Rekordnationalspieler Geschwindner und der von ihm geförderte NBA- Star Dirk Nowitzki monieren seit langem die fehlende Nachwuchsförderung des Vereins. Die war einst das Aushängeschild des Heimatklubs von Nowitzki, der jetzt bei den Dallas Mavericks spielt. Als die TSK Würzburg versprach, künftig wieder mehr die einheimischen Talente zu berücksichtigen, stellte das Duo 100 000 Euro zur Aufrechterhaltung des Spielbetriebs in Aussicht. Ein genereller Rettungsplan existiert jedoch nicht.

Die Gründe für die finanzielle Misere sind vielschichtig. Trotz eines Mini-Etats von nur einer Million Euro standen die Verantwortlichen zwischenzeitlich vor einer Deckungslücke von 400 000 Euro. Wegen des Zuschauerrückgangs fehlten Einnahmen, zudem hielten Sponsoren ihre Zahlungszusagen nicht ein. Hauptsponsor Günter Tröster wirft den Funktionären vor, schlecht zu wirtschaften. „Ein Basketball-Bundesligist ist nun mal keine Würstchenbude“, sagt er.

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