Sport : Allein unter den Körben

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Serbiens Trainer-Legende Dusan Ivkovic hat bei der Basketball-EM eine interessante Beobachtung gemacht. Der 68-Jährige merkte an, das Spiel der deutschen Mannschaft sei durch das Mitwirken von Dirk Nowitzki statischer geworden, der Spielfluss sei dahin. Nun sind die deutschen Basketballer in Litauen gescheitert, die Olympischen Spiele in London hat das Team verpasst. Nowitzki würde Ivkovic vielleicht sogar zustimmen. „Ich war einfach nicht in der Verfassung, um ein großes internationales Turnier zu dominieren, wie ich es immer gemacht habe“, hat der NBA-Star nach der entscheidenden Niederlage gesagt. „Ich glaube, es lag alles an mir.“ Diese Selbstkritik ehrt den 33-Jährigen – sie geht aber an der Realität vorbei.

Natürlich hat Nowitzki schon besser gespielt, in der Vergangenheit hat er das deutsche Team fast im Alleingang zu WM-Bronze 2002, EM-Silber 2005 und zu den Olympischen Spielen in Peking geführt. In diesem Jahr allerdings kehrte er als NBA-Champion zurück, nach mehr als 100 physisch und mental zermürbenden Spielen. Nowitzki war nicht fit, er ist trotzdem nach Litauen gereist, um sich wie immer „zwei Wochen lang verprügeln zu lassen“, wie Bundestrainer Dirk Bauermann sagt. Dass Deutschland das Viertelfinale verpasste, war sicher nicht Nowitzkis Schuld. Vielmehr fehlte es seinen Mitspielern – den jungen wie den routinierten – an Cleverness, um knappe Spiele gegen Serbien, Spanien und Frankreich zu gewinnen. Hinzu kam auch Lospech, das die Deutschen in starke Gruppen in Vor- und Zwischenrunde beförderte.

In den vergangenen Tagen haben sich so viele Deutsche wie lange nicht mehr für Basketball interessiert. Diese EM hat erneut gezeigt, wie unschätzbar wertvoll Dirk Nowitzki für seine Sportart ist – nicht nur als Spieler, sondern auch als Vorbild, Anführer und Gesicht. Der Würzburger hat nie Sonderrechte gefordert, er hat einfach immer sein Bestes gegeben, man kann sich kaum vorstellen, wo Basketball in Deutschland ohne ihn stünde. In dieser Hinsicht hat Dirk Nowitzki also doch recht: Es liegt tatsächlich alles an ihm.

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