Sport : Alles aus Liebe

Claus Vetter

Nico Pyka steckt mitten in seiner erfolgreichsten Saison beim EHC Eisbären. Dies belegt schon die Statistik. Drei Tore hat der schlaksige Verteidiger erzielt, in den zwei Spielzeiten zuvor war es nur eins. Der Durchbruch als Eishockey-Profi im zarten Alter von 24 Jahren? Pyka zuckt mit den Schultern: "Zu sicher bin ich mir nie."

Da redet einer, der ob seiner Erfahrungen bei seinem Arbeitgeber Misstrauen vor Euphorie stellt. Viel hat Pyka schon durchgemacht. Die Rolle des langjährigen Edelreservisten fand vor anderthalb Jahren ihren Höhepunkt: Damals steckte ihn Eisbären-Trainer Glen Williamson bei einem Vorbereitungsturnier ins Trikot der London Knights. Die Briten hatten nicht genügend Verteidiger mit an die Spree gebracht. Für Williamson war klar, auf wen er verzichten konnte. Auch unter Williamsons Nachfolger Uli Egen hatte Pyka nicht viel Freude. Zu Beginn dieser Saison musste er sogar mal als Stürmer ran. "Ich hatte das Gefühl, dass der Trainer mir nicht vertraut. Bei wenigen Einsätzen bist du nervös, willst nur schnell zurück auf die Bank, bevor der erste Fehler kommt." Das ist Vergangenheit. Nachdem sich in der Abwehr beim EHC einige Lücken auftaten, bekam Pyka seine Chance. Er nutzte sie.

Inzwischen ist das Klima zwischen Trainer und Verteidiger gut. Pyka illustriert es mit gesteigertem Selbstbewusstsein auf dem Eis. Dass es mit der Spielerei im Angriffsdrittel nun ebenso gut klappt wie mit den Aufräumarbeiten in der Verteidigung, registriert der gebürtige Berliner mit Gelassenheit. "Von mir darf jetzt auch einiges erwartet werden. Dieses Jahr werde ich 25, da muss ich mich als Verteidiger in der Deutschen Eishockey-Liga etabliert haben."

Den Umstand, dass er - abgesehen von einem Gastspiel in Nordamerika - fast seine gesamte Karriere bei den Eisbären verbracht hat, empfindet Pyka nicht als Vorteil. Der Druck sei für ihn größer, aber: "Ich liebe diesen Verein." Mit Liebesbekundungen von Seiten des Bundestrainers in Richtung Pyka sieht es dagegen bescheiden aus. "Hans Zach hat sich nicht gemeldet", berichtet Pyka. Für ihn finden die Olympischen Spiele wohl vor dem Fernseher statt. Aber aufgeben gilt bei Pyka - der früher schnell resignierte - nicht mehr: "Im April ist die Weltmeisterschaft, vielleicht klappt es dann." Zunächst einmal stehen für Pyka und Kollegen bodenständigere Aufgaben auf dem Programm, etwa das heutige Spiel gegen die Frankfurt Lions (19 Uhr 30, Sportforum Hohenschönhausen). Die sind Tabellen-13. der DEL.

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