Sport : Allofs widersteht den Bayern

Der Sportdirektor bleibt bis 2012 in Bremen

Thorsten Waterkamp[Bremen]

Das Fürchten lehrt Willi Lemke niemand mehr, selbst ein Uli Hoeneß nicht. Werder Bremens Aufsichtsratsvorsitzender ist schließlich primär Politiker und deshalb furchtresistent. „Ein ehemaliger Bildungssenator“, klärte der 61-Jährige auf, „kennt keine Angst.“ Sorgen kennt er trotzdem, „ein bisschen“ habe er sie gehabt um Klaus Allofs und dessen Zukunft als Sportdirektor bei Werder. Die Sorgen sind weg, Allofs nicht: Der Geschäftsführer Sport verlängerte gestern seinen Vertrag bei Werder bis 2012.

Die Signale aus dem Süden waren allerdings mehr als nur lose dahergesagte Sticheleien, wie sie sonst so üblich sind zwischen Bremern und Münchnern, die Sorgen Willi Lemkes entbehrten nicht einer gewissen Berechtigung. Klaus Allofs könne durchaus einmal sein Nachfolger werden, hatte Bayern Münchens Manager Uli Hoeneß im Herbst festgehalten – und damit eine Drohkulisse hinterlassen, vor der monatelang heftig spekuliert wurde. Passgenau endeten auch noch die Verträge beider Granden der Bundesliga-Managergilde noch gleichzeitig 2009. Die mögliche bayerische Zeitenwende war Hoeneß so ernst, dass Klaus Allofs nach der Einigung in Bremen anstandshalber in München absagte. „Es gibt gewisse Umgangsformen im Geschäftsleben“, verwies Werders Sportdirektor, „die sollte man einhalten.“

Klaus Allofs hat sich die Absage nicht leicht gemacht. Natürlich überlege man sich, wie es weitergehe, „wenn Interesse von anderer Seite vorhanden ist“ – und eigenes Interesse nicht völlig auszuschließen ist. Ein Abwägungsprozess eben, bei dem die Waagschale sich am Ende zu Werders Gunsten senkte. Schwer wog vor allem das Arbeitsumfeld, das Allofs in Bremen findet, die Strukturen bei Werder, die er seit seinem Amtsantritt 1999 maßgeblich mitgestaltet hat. Die Zusammenarbeit der Entscheider funktioniert in Bremen nahezu reibungslos, auch weil die Ergebnisse der Arbeit stimmen.

So haben „andere Dinge als die Bezahlung eine große Rolle“ gespielt. „Es war wichtig für mich zu sehen: Wo stehen wir? Wo kann der Weg hingehen? Ist noch Luft nach oben?“ Die letzte Frage beantwortete sich Allofs mit einem klaren Ja. Es geht nicht in erster Linie um irgendwelche Titel – der 51-Jährige spricht lieber davon, dass der Verein, der bei seiner Amtsübernahme 1999 sportlicher Problemfall war, nach dem steilen Aufstieg vor der nächsten Herausforderung steht: der Etablierung in der europäischen Spitze.

Die Herausforderungen, ahnt Allofs, werden noch größer, „um uns herum wird immer weiter aufgerüstet. Wir müssen uns wirtschaftlich alle Wege eröffnen, um nicht ins Hintertreffen zu geraten“. Das bedeutet für den Sportdirektor auch, dass Werders Rolle als Ausbildungsverein für die richtig reichen Klubs ein Ende nehmen soll. Einen Spieler abgeben zu müssen, nur weil die Konkurrenz mit dem Scheckbuch winkt – „das müssen wir weitgehend unter Kontrolle haben“.

Mindestens noch zweieinhalb Jahre, besagen es die Verträge, kann Klaus Allofs im Tandem mit Thomas Schaaf („Eine wichtige Entscheidung auch für mich, weil er ein hervorragender Partner ist“) weiterwerkeln am Bauwerk Werder. Der Kontrakt des Trainers war im Oktober bis 2010 verlängert worden – in Kombination mit der Allofs-Einigung bis 2012 für Aufsichtsrats-Vize Hubertus Hess-Grunewald eine bewusste Termingestaltung, damit Werder nicht Gefahr läuft, „einmal ohne Hemd und Hose dazustehen, wenn plötzlich beide gleichzeitig gehen“.

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