Sport : Alonso – ein verdienter Weltmeister

Karin Sturm

Sao Paulo - Im Bernabeu-Stadion bekamen die Fans von Real Madrid am Sonntag den Triumph ihres berühmtesten Gesinnungsgenossen auf einer Großbildleinwand serviert. Es war eine passende Vorspeise zum Fußball-Klassiker Real Madrid gegen Barcelona, denn der neue und alte Formel-1-Weltmeister Fernando Alonso ist der erste spanische Sportler, der es geschafft hat, in seiner Heimat den allmächtigen Fußball von den Titelseiten der Zeitungen zu verdrängen.

Der 25-Jährige ist ein verdienter Weltmeister, denn über die ganze Saison gesehen war die Kombination Alonso/Renault einfach einen Tick besser als Michael Schumacher und Ferrari. Im direkten Vergleich mit seinem Rivalen leistete sich der Spanier auch weniger Fehler. Mit seinem zweiten Titelgewinn hat er Schumacher gleichzeitig einen seiner vielen Rekorde entrissen: Er ist jetzt der jüngste Doppelweltmeister aller Zeiten.

Trotz dieser und weiterer Parallelen zum jungen Schumacher nerven den Spanier die Vergleiche mit seinem Vorgänger. Obwohl er zugibt, dass „meine beiden Titel viel mehr wert sind, weil ich sie geholt habe, als Michael noch dabei war“, sagt er: „Ich will nicht der nächste Schumacher werden, sondern der erste Alonso.“ Fernando, der Erste, stört sich nur wenig an der Tatsache, dass er kürzlich bei einer Umfrage nach dem beliebtesten Formel-1-Fahrer nur auf dem vierten Platz landete. Im Gegenteil: „Ich will nicht beliebt sein, ich will gewinnen“, entgegnet er. „Wenn ich nicht so beliebt bin, habe ich vielleicht ein kleines bisschen mehr Ruhe.“

Denn mit den Schattenseiten des Ruhms und vor allem damit, dass er besonders in seiner spanischen Heimat keinen Schritt mehr unbeobachtet machen kann, hat er immer noch seine Probleme. Am liebsten möchte er nur auf der Rennstrecke der Star sein, ansonsten aber ein ruhiges Privatleben führen. „Ich weiß natürlich, dass das nicht geht, aber ich versuche, so oft wie möglich zu flüchten.“ Aus seiner Geburtsstadt Oviedo ist er schon lange weggezogen und wohnt jetzt in Oxford.

Seiner Popularität in der Heimat hat die Flucht nicht geschadet. Im Gegenteil: Gemeinsam mit seiner 24 Jahre alte Freundin Raquel del Rosario, der Sängerin einer der beliebtesten spanischen Pop-Bands, bildet er ein Paar, dessen Aufmerksamkeitswert in Spanien den Beckhams Konkurrenz macht. Kennen gelernt haben sich die beiden im vergangenen November bei einer Radiosendung; damals wollte der sonst für einen Südländer bemerkenswert reserviert wirkende Alonso ihr unbedingt vorgestellt worden.

In den beiden vergangenen Jahren ist Fernando Alonso nicht nur als Fahrer, sondern auch als Persönlichkeit deutlich gereift. Er traut sich inzwischen auch, unpopuläre Meinungen zu äußern. So warf er seinem eigenen Rennstall Renault vor kurzem öffentlich vor, ihn nicht genug zu unterstützen. Diese Art von Äußerungen könnten bei seinem neuen Team McLaren-Mercedes schnell zu Konflikten führen. Doch zumindest aus der Distanz loben Alonsos künftige Chefs Ron Dennis und Norbert Haug die Direktheit ihres neuen Stars: „Was er sagt, ist in den meisten Fällen sehr durchdacht und auf den Punkt.“

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