Sport : Alonso gerät in Spanien unter Druck Weltmeister steht vor schwierigem Heimrennen

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An diesem Wochenende wird der jüngste Formel-1-Weltmeister aller Zeiten die Bedeutung des Worts Druck neu erfahren. Nach zwei Niederlagen in Folge gegen Michael Schumacher bei dessen Heimrennen in Imola und am Nürburgring hat sich Fernando Alonso vorgenommen, zu Hause zurückschlagen zu wollen. Doch diese Ankündigung wird sich vor 130 000 fanatischen Fans beim Großen Preis von Spanien in Barcelona nicht so ohne weiteres in die Tat umsetzen lassen. Ferrari ist sehr nahe an Renault herangekommen, beim vergangenen Rennen musste Alonso eingestehen, dass „sie das ganze Wochenende über schneller waren“. Schumacher, der erst nach Saisonende bekannt geben möchte, ob er seine Karriere fortsetzt, reist nun nach eigenen Worten mit einem Hochgefühl nach Barcelona. Hingegen hat bei Alonso und Renault der Zweifel Einzug gehalten.

Die größten Sorgen bereiten Alonso dabei die Michelin-Reifen, die doch eigentlich als Garant für einen Sieg galten. Bei den bisherigen Tests auf dieser Strecke sah dies auch immer so aus, allerdings waren die Bridgestone-Teams um Ferrari schon am Nürburgring mindestens ebenbürtig. Und für das Wochenende in Spanien bringt Bridgestone gar einen komplett neuen Reifen mit, der besonders gut haften soll. Das kann in der heutigen Formel 1 ganz schnell mal eine Sekunde pro Runde ausmachen. „Unser Auto kann dreimal besser sein, wenn wir das durch den Reifen nicht auf die Straße bringen, dann nützt es gar nichts“, warnt Renaults Technikchef Pat Symonds. Das klingt deutlich vorsichtiger als noch in den vergangenen Wochen.

Dazu muss der eher ruhige Alonso seinen Konter unter denkbar ungünstigen Bedingungen setzen. Das Rennen in Barcelona ist seit Wochen ausverkauft, obwohl die Kapazität der Tribünen noch einmal um 20 000 erhöht wurde. Die Fahnen der Heimatregion Alonsos, Asturien, die so gut zur Lackierung seines Renault passen, werden der Strecke wieder einen blau-gelben Rahmen verleihen, der sich vom zuletzt überall vorherrschenden Rot abhebt.

Die Begeisterung für Fernando Alonso hat nach Meinung des Protagonisten allerdings längst das erträgliche Maß überschritten. Der Superstar fühlt sich auf Schritt und Tritt verfolgt – vor allem von der Boulevardpresse. „Die ist wirklich unmöglich, die rennen mir überall hinterher, in jedes Café, und sie stehen in Massen vor dem Haus meiner Eltern“, beschwert er sich.

Dass er sich mit solcher Kritik in seiner Heimat Sympathien verscherzen könnte, glaubt er nicht. „Ich habe absolut nichts gegen die Unterstützung der Fans, der Jubel der Leute an der Strecke, das ist im Gegenteil ein ganz tolles Gefühl. Ich wehre mich ja nur dagegen, keinerlei persönlichen Freiraum mehr zu haben. So kann und will ich nicht leben.“ Deswegen ist er aus Oviedo weggezogen und vor dem Wirbel nach Oxford geflüchtet.

Einen Teil des Wirbels hat Alonso aber auch selbst zu verantworten. Nach seiner Niederlage am Nürburgring forderte er sein Team Renault ungewohnt deutlich auf, „in allen Bereichen“ besser zu werden, und kritisierte unterschwellig die Politik seines Rennstalls, mit geringem finanziellen Aufwand in die große Aufrüstungsschlacht mit Ferrari zu gehen.

In Spanien verkündete Alonso immerhin, er sei sich sicher, dass er 2007 im besten Auto der Formel 1 sitzen werde. Eine kleine Motivationshilfe für seine Mechaniker? Wohl kaum. Im nächsten Jahr fährt Fernando Alonso für McLaren-Mercedes.

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