Sport : Alte Vorwürfe erneuert

JÖRG ALLMEROTH

Steffi Graf soll sich zur Annahme von Antrittsgeldern erklären VON JÖRG ALLMEROTH

Melbourne.Selbst in den letzten Tagen vor dem ersten Grand-Slam-Turnier des Jahres fühlte sich Steffi Graf in der lockeren Atmosphäre von Melbourne noch wie in einem "Erholungspark".Als "Heile-Welt-Idyll" erschien der gestreßten Weltranglistenersten, die in der Vorweihnachtszeit eine Fülle von Sponsor- und Promotionterminen erledigt hatte, der sommerliche Aufenthalt in der Metropole am Yarra River. Doch nach drei Grand-Slam-Tagen ist die Ranglistenbeste von alten Problemen eingeholt worden: Noch vor ihrem zweiten Spiel gegen die Litauerin Larissa Neiland, das sie mühevoll mit 7:5 und 6:1 gewann, erfuhr die 27jährige Deutsche von den Plädoyers der Mannheimer Staatsanwaltschaft, die im Steuerprozeß gegen ihren Vater Peter Graf eine Haftstrafe von sechs Jahren und neun Monaten gefordert hatte.Der mögliche Zeitpunkt des Richterspruchs: Die Verkündung des Strafmaßes am 24.Januar käme nur wenige Stunden vor dem Finale im Melbourne Park am Sonnabend, den 25.Januar."Ich werde das Turnier aber in jedem Fall zu Ende spielen", sagte Steffi Graf, "sonst wäre ich doch nicht hierher gekommen". Zusätzliches Unheil könnte sich für die 22malige Grand-Slam-Siegerin indes an einer anderen Front zusammenbrauen: Wie in Melbourne bekannt wurde, hat die Spielerinnen-Gewerkschaft WTA Steffi Graf zu einer offiziellen Stellungnahme im Zusammenhang mit lange zurückliegenden Vorwürfen aufgefordert, sie habe in den vergangenen Jahren unerlaubte Antrittsgelder bei verschiedenen offiziellen Turnieren erhalten. Die WTA-Initiative kommt zeitgleich mit einem längeren Fernsehbericht, den der amerikanische Kabelsender HBO Mitte dieser Woche zu dem Thema Antrittsgelder senden wollte.Laut HBO hat Peter Graf in den 80er und 90er Jahren eine Million Dollar an Antrittsgeldern kassiert und seine Tochter auch über diese Tatsache informiert.Steffi Graf hatte in der Vergangenheit aber stets betont, nicht in "solche Dinge" eingeweiht worden zu sein. Schlimmstenfalls drohen der Nummer eins eine dreimonatige Strafe, eine 50 000-Dollar Buße und die Rückzahlung der illegal erhaltenen Gelder.Bisher war in der Tennis-Geschichte nur der Argentinier Guillermo Vilas von der ATP für ein halbes Jahr gesperrt worden, weil er Zahlungen unter der Hand eingestrichen hatte.Damals statuierte die ATP ein Exempel und wollte auch den einflußreichen Vilas-Manager Ion Tiriac treffen.Inzwischen hat die ATP das Regelwerk geändert und die Zahlung von Antrittsgeldern erlaubt: So wird geschätzt, daß ein Weltstar wie Boris Becker pro Jahr bis zu drei Millionen Mark an Antrittsgeldern kassiert.Die ehemalige WTA-Präsidentin Pam Shriver (USA) erklärte unterdessen zum Graf-Fall: "Sie sollte nicht für etwas bestraft werden, das alle Profis - mehr oder weniger - tun."

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben