Sport : Altes, neues Kommando

Basketballtrainer Dirk Bauermann übernimmt heute zum zweiten Mal die Nationalmannschaft

Benedikt Voigt

Berlin – Eine Trainersuche kann so einfach sein. Als der Deutsche Basketball-Bund im Herbst vergangenen Jahres einen Bundestrainer suchte, wurde in der Öffentlichkeit schnell der Name Dirk Bauermann gehandelt. Dann geschah das Sonderbare – wenn man die mühevolle Trainersuche der deutschen Fußballer als Maßstab nimmt: Der Kandidat wollte es auch machen! Und das, obwohl er im Hauptberuf noch den Basketball-Bundesligisten Bamberg trainiert. „Der Bundestrainerjob ist die interessanteste und faszinierendste Aufgabe, die man im deutschen Basketball haben kann“, sagt Dirk Bauermann, „im Gegensatz zu Kollegen aus anderen Sportarten brauchte ich keine Sekunde darüber nachzudenken.“

Am heutigen Freitag beginnt Dirk Bauermanns zweite Amtszeit als Bundestrainer – bereits 1994 hatte er das Nationalteam ein Jahr lang trainiert. Nun bestreitet die deutsche Mannschaft in der Vorbereitung für die EM-Qualifikationsspiele (8. bis 25. September) in der ausverkauften Arena Trier ein Testspiel gegen Estland. Der alte und neue Trainer hat gegenwärtig 19 Spieler zur Verfügung, darunter auch den NBA-Profi Dirk Nowitzki von den Dallas Mavericks. Der 2,13 Meter große Power Forward erhielt in dieser Woche die Freigabe seines NBA-Klubs, im Gegenzug musste ihn der Verband mit knapp 200000 Euro versichern. Nowitzki wird lediglich beim Supercup in Bamberg (20. bis 22. August) fehlen, sowie in den letzten beiden EM-Qualifikationsspielen in Ungarn und Belgien. Allerdings stellte der einzige Star im deutschen Basketball bereits in Aussicht, dass er auch die letzten beiden Spiele bestreiten werde, wenn bis dahin die Qualifikation für die Europameisterschaft in Serbien und Montenegro noch nicht gelungen ist.

„Dass Dirk Nowitzki für Deutschland spielt, ist ein Signal für den Sport“, sagt Dirk Bauermann. Die Begeisterung des 26-Jährigen für das Nationalteam ist ungebrochen, obwohl er in der NBA 87 Saisonspiele hinter sich gebracht und im vergangenen Jahr mit der Nationalmannschaft einen Tiefpunkt erlebt hat. Das Team des ehemaligen Bundestrainers Henrik Dettmann war vor knapp elf Monaten in der Zwischenrunde an Italien gescheitert und hatte sich nicht für die Olympischen Spiele in Athen qualifiziert. Nun wird es den Olympiateilnehmer Italien (1. August) und USA (4. August) in der Kölnarena nur als Sparringspartner dienen.

Dirk Bauermann und Dirk Nowitzki eint ein Ziel: Beide wollen zu den Olympischen Spielen in Peking. „Ich möchte noch mindestens bis 2008 im Nationalteam dabei sein“, sagt Nowitzki. Bauermanns Perspektive ist ähnlich. Sein Vertrag läuft bis 2007 und verlängert sich bei einer erfolgreichen Olympiaqualifikation automatisch bis 2008.

Der 46-Jährige hat von seinem Vorgänger ein intaktes Team übernommen. Doch unter Bauermann bekommen nun auch Spieler wie Dennis Wucherer oder Demond Green eine Chance, die unter Dettmann nicht mehr berücksichtigt wurden. Pascal Roller hat auch dazu gezählt, doch der Aufbauspieler des amtierenden Deutschen Meisters Frankfurt Skyliners zog sich in der Vorbereitung einen Fingerbruch zu. Für ihn nominierte Bauermann den Leverkusener Gordon Geib nach. Außerdem holte Bauermann auch den 21-jährigen Dirk Mädrich, den er gerade von Braunschweig zu seinem Klub nach Bamberg lotsen konnte.

Überhaupt fällt es auf, dass sich das Nationalteam nicht mehr nur aus dem ehemaligen Seriensieger Alba Berlin rekrutiert. Bei der WM 2002, als das Team die Bronzemedaille gewann, hatten nur zwei von zwölf Spielern noch nie das Trikot von Alba Berlin getragen. Im aktuellen Kader des Nationaltemas sind es bereits zehn von 18 Spielern.

Alles andere als die Qualifikation für die EM 2005 wäre eine riesige Enttäuschung. Für die EM 2003 hatte sich das deutsche Team mit nur einer Niederlage qualifiziert – ohne Dirk Nowitzki. Weil die Qualifikationsspiele inzwischen nach einer Terminänderung in der Sommerpause stattfinden, kann Bauermann nun auch noch auf einen der besten Basketballer der Welt zurückgreifen. Deutschland spielt in einer Gruppe mit der Ukraine, Belgien und Ungarn – alles Teams der zweiten Reihe. Zudem qualfiziert sich auch der Gruppenzweite.

Ein leichter Anfang für den neuen Trainer. Vielleicht auch ein Grund, warum Bauermann nicht lange nachdenken musste, als er den Job annahm.

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