Sport : Altmodisch zu drei Punkten

Brasilien überrascht beim 1:0 über Australien mit einer antiquierten Taktik – und einem Trainer in Jogginghose an der Seitenlinie

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Auf dem Sprung.
Auf dem Sprung.Foto: dpa

Richtig bejubelt wurde am Ende nur der Außenseiter. Während das brasilianische Nationalteam der Frauen erschöpft und erleichtert nur kurz ins Publikum winkte und in der Umkleidekabine verschwand, gingen ihre Gegnerinnen aus Australien noch auf eine kleine Ehrenrunde. 0:1 (0:0) hatten die Australierinnen verloren, dem Vizeweltmeister aus Brasilien aber alles abverlangt und den 27 258 Zuschauern im gut zur Hälfte gefüllten Stadion von Mönchengladbach ein sehr unterhaltsames Spiel geboten. „Wir haben nicht nur zugesehen, wie Brasilien Fußball spielt, sondern selbst attackiert“, sagte Australiens Torhüterin Melissa Barbieri stolz. „Leider reicht eben manchmal ein Tor, um das Spiel zu verlieren.“

Die Brasilianerinnen verblüfften das Publikum damit, dass sich eine ihrer drei Abwehrspielerinnen bei Ballbesitz des Gegners abwechselnd als Libera zehn bis 20 Meter weit hinter ihre beiden Kolleginnen zurückfallen ließ. Trainer Kleiton Lima hatte sich bereits als Anhänger des Fußballs ganz alter Schule erwiesen, als er in Jogginghose an der Seitenlinie erschienen war – jetzt sorgte sein antiquiertes Abwehrschema für jede Menge Platz im Mittelfeld. Den konnten die „Matildas“, wie die australischen Fußballerinnen in ihrer Heimat genannt werden, auch immer wieder für Vorstöße nutzen. Allerdings fehlte es ihnen an Präzision und bisweilen auch an den technischen Fähigkeiten, um die Schwäche im System ihrer Gegnerinnen zu bestrafen.

Wenn Brasilien selbst einmal gefährlich wurde – was höchst selten geschah – war meist Marta beteiligt. Die Weltfußballerin der vergangenen fünf Jahre glänzte mit viel Übersicht, kam aber selbst kaum in Schussposition. „Wir hatten sie gut unter Kontrolle“, sagte Australiens Trainer Tom Sermanni. „Man kann sie nicht 90 Minuten lang festbinden, aber sie hat heute kein einziges Mal auf das Tor geschossen, glaube ich.“ Auf der Gegenseite hätte die emsige und technisch starke Lisa de Vanna in der ersten Halbzeit treffen müssen, schloss aber zu hastig ab, nachdem sie der brasilianischen Kapitänin Aline den Ball abgejagt hatte und allein auf Torhüterin Andreia zugelaufen war.

Nach der Pause verließ die beherzt kämpfenden Australierinnen kurz die Konzentration. Anstatt zu klären, sahen mehrere Verteidigerinnen zu, wie Cristiane den Ball an der Strafraumgrenze mehrmals eher unkontrolliert jonglierte und zu Mittelstürmerin Rosana spitzelte, die einen letzten Störungsversuch abschüttelte und zum 1:0 traf. Danach ging die australische Stürmerin Lisa de Vanna erneut einen weiten Weg, um vor das eigene Tor zu sprinten und ihre Abwehrkolleginnen zusammenzustauchen. Nach der Führung wurde Brasilien selbstbewusster, die Australierinnen gaben sich nie auf, waren aber im Abschluss zu harmlos. Drei Minuten vor dem Schlusspfiff stürmte de Vanna nach einem Schnitzer der brasilianischen Abwehr zum zweiten Mal allein auf das gegnerische Tor zu, scheiterte aber wieder an ihren Nerven.

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