Sport : Am Boden turnen

Friedhard Teuffel

über die Versuchungen für Fabian Hambüchen Es ist ein hübscher Erfolg für Fabian Hambüchen, Europameister am Reck zu sein. Aber richtig spannend wird seine Turnkarriere erst jetzt. Für den 17 Jahre alten Hessen hat nämlich ein Mehrkampf begonnen, wie ihn bisher noch kein Turner in Deutschland absolvieren musste. Er soll noch viele Titel gewinnen, ständig über sich und seine Sportart erzählen bei offiziellen Terminen, im Rundfunk und für Zeitungen, weil er nun sozusagen inoffizieller Botschafter des deutschen Turnens ist. Sein Abitur will Hambüchen auch noch machen.

Auf jeden Fall kann Hambüchen in nächster Zeit beweisen, dass er ein weitsichtiger Sportler ist, dass er Wichtiges von Unwichtigem unterscheiden kann. Dabei werden ihm wie bisher seine Eltern helfen und ein Manager, doch die Verantwortung trägt er am Ende alleine. Von ihm wird wohl deshalb so viel verlangt, weil die Sehnsucht groß ist nach einem erfolgreichen jungen Sportler. Sie ist auch dadurch so groß geworden, weil Turnen olympische Kernsportart ist, eine sehr deutsche Disziplin dazu und es einen ganzen Stammbaum erfolgreicher deutscher Turner gibt – gerade am Reck, etwa Weltmeister Eberhard Gienger oder Olympiasieger Andreas Wecker. Seit ihren Erfolgen ist die Bedeutung von Medien und Wirtschaft im Sport jedoch noch einmal gestiegen. Die Versuchungen werden für Hambüchen groß sein, bei der Eröffnung eines Gebrauchtwagenladens schnell 1000 Euro zu verdienen oder für eine Ratesendung ins Fernsehen zu kommen. Verbandsfunktionäre, Journalisten und Sportmanager werden probieren, ihn wie einen Star in die Höhe zu ziehen. Man kann Hambüchen nur wünschen, dass er ein guter Bodenturner ist.

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