Sport : Am Ende der Strecke

Weil der Radsport Sponsoren verliert, fahren die Profis bei der Deutschland-Tour mit Zukunftsängsten

Olaf Jansen[Offenburg]

Eine derbe Ausdrucksweise ist bei Radprofis nicht unüblich. Und so sucht Markus Eichler auch nicht lange nach Worten, als er während der Deutschland-Tour nach seinem Befinden angesprochen wird: „Mit geht’s Scheiße“, sagt der 26-jährige Radprofi. Der deutsche Fahrer des schwedisch-belgischen Teams Unibet macht sich Sorgen um seine Berufsaussichten. Sein Team Unibet wird zum Saisonende wohl aufgelöst. „Die Zeichen deuten im Moment darauf hin, dass sich der Sponsor zurückzieht“, sagt Unibet-Manager Jaques Hanegraaf. Für Eichler, der nach dem Gewinn mehrerer Frühjahrs-Rennen im vergangenen Jahr so etwas wie ein Nachwuchsstar des deutschen Radsports werden sollte, droht nun die Arbeitslosigkeit. „Ich höre mich schon nach möglichen neuen Teams um“, sagt Eichler. „Aber momentan kommen überhaupt keine Angebote.“ So geht es vielen Radprofis.

Das Image der Radsportler ist am Boden nach immer neuen Doping-Enthüllungen und einer katastrophale Tour de France mit einem verdächtigen Gesamtsieger. Die Sponsoren haben keine Lust mehr, sich mit Profi-Radteams ihren Namen kaputt machen zu lassen. Nachdem schon im vergangenen Jahr der Schweizer Hörgeräte-Hersteller Phonak sein Engagement beendete, werden nun Discovery Channel und Credit Agricole sowie höchstwahrscheinlich Unibet, Astana und Cofidis dem Radsport die Unterstützung entziehen.

Bei den deutschen Teams bleibt T-Mobile vorerst dabei – allerdings mit einer Ausstiegsklausel bei neuen Dopingskandalen. Ob Gerolsteiner über 2008 hinaus weitermacht, ist derzeit ebenso fraglich wie das weitere Engagement des Bremer Nordmilch-Konzerns bei Milram. „Das tut schon weh“, sagt der Fahrer Jens Voigt zur aktuellen Sponsoren-Flucht. „Immerhin hängen an jedem Team 30 Fahrerstellen und noch einmal 30 Arbeitsplätze für Betreuer und Mechaniker.“ Der Berliner gefällt sich ansonsten momentan eher in der Rolle des Schönredners von problematischen Situationen. Er will einen ganz normalen Zyklus erkannt haben: „Das ist doch nichts Ungewöhnliches. Nach ein paar Jahren verabschiedet sich eben ein Sponsor, weil er mal irgendwo anders investieren will. Dafür rückt dann eben ein anderer nach.“ Genau hier irrt Voigt jedoch.

Neue Geldgeber rücken nicht nach – für das dopingbelastete Team Discovery Channel fand sich kein neuer Sponsor. „Wir haben viele Gespräche geführt, mussten aber merken: Es funktioniert nicht“, sagt Bill Stapleton, der mit seiner Firma „Tailwind“ das Team betreut – bis zur Auflösung. Radprofi Levi Leipheimer weiß deshalb: „Für viele meiner Teamkollegen wird es nicht leicht, ein neues Team zu finden.“

Vor allem für die so genannten Wasserträger, die selbst nicht das Format für große Siege haben, könnte die gerade laufende Deutschland-Tour eines der letzten großen Rennen ihrer Karriere sein. Besonders trifft dies auf das zweitklassige deutsche Team Wiesenhof zu, dessen Hauptsponsor seinen Rückzug zum Saisonende angekündigt hat. „Ich sehe keine Chance mehr, dass wir noch einen neuen Hauptsponsor auftreiben“, sagt Teammanager Raphael Schweda. Und der Sportliche Leiter, der Ex-Profi Jens Heppner, sieht seine Zukunft schon nicht mehr im Radsport: „Ich schaue mich nach neuen Betätigungsfeldern um.“

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