Sport : Am liebsten unter Flutlicht

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Der vielleicht wichtigste Mann im Skispringen saß gestern im geräumigen VIP-Zelt am Fuße der Paul-Außerleitnerschanze und pickte Salzkörner von einer Brezel. RTL-Informationsdirektor Hans Mahr hat durch die Live-Übertragungen seines Fernsehsender einen großen Anteil am Popularitätszuwachs des Skispringens in Deutschland. Das Springen in Oberstdorf hatten 2,62 Millionen Zuschauer mehr gesehen als im Vorjahr, in Innsbruck saßen 1,11 Millionen mehr vor dem Fernseher. Nur das Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen sahen 0,51 Millionen weniger. "Kein Champions-League-Spiel in laufenden Saison hatte mehr Zuschauer als Skispringen", sagte Mahr. "Skispringen ist die drittwichtigste Sportart in Deutschland." So richtig zufrieden aber ist er mit dem Produkt Skispringen noch nicht.

"Wir brauchen einen Grand Slam des Skispringens, bei dem die Vierschanzentournee und die großen Springen dabei sind", sagt Mahr. Am besten zehn Springen plus Skiflug-Weltmeisterschaft. "Das ist überschaubar." Der Weltcup, der gegenwärtig aus 23 Veranstaltungen besteht, würde sich dann in eine A- und B-Serie aufspalten. "Das wird der nächste Schritt sein", glaubt Mahr.

Es warten ohnehin noch einige Änderungen auf das Skispringen. Eine Arbeitsgruppe des Internationalen Skiverbandes FIS lotet derzeit aus, ob Regeländerungen nötig sind. "Die Arbeitsgruppe beschäftigt sich mit der Frage, ob die Bewertung der Sprünge zu kompliziert für den Zuschauer ist", sagt FIS-Renndirektor Walter Hofer. Der Vorsitzende des Sprungkomitees, Torbjörn Yggeseth, hatte eine Abschaffung der Sprungrichter gefordert. Der FIS-Renndirektor sieht das anders. "Das bringt Farbe ins Spiel und erhöht die Sicherheit, weil die Sprünge technisch sauber sein müssen", sagt Hofer. Allerdings will er bei der Vierschanzentournee die Veranstaltungen auf den späten Nachmittag oder den Abend verlegen, weil dann stabilere Wetterbedingungen herrschen. Das würde den Skispringern einen faireren Wettkampf bescheren. Die Bergiselschanze in Innsbruck wird im kommenden Jahr eine Flutlichtanlage besitzen, was auch Hans Mahr nicht ungern sehen dürfte. Ein Abendspringen in der Mitte der Woche dürfte dem Fernsehen noch mehr Zuschauer bescheren.

Die Frage ist, ob Mahr sich bei den Veranstaltern und der FIS durchsetzen kann. Ein erstes Konfliktfeld öffnet sich schon bei der Qualifikation. "Das war ein Wermutstropfen", sagt Hans Mahr. "Die Zuschauer wussten nicht, ob die Stars noch springen werden oder nicht." Sven Hannawald hatte viermal seinen Qualifikationssprung ausgelassen. "Das ist nicht fair", findet der RTL-Chef. "Ich gehe davon aus, dass es eine Qualifikationspflicht geben wird." Walter Hofer aber nennt die Qualifikation ein Abfallprodukt und spricht sich weiterhin gegen eine Regeländerung aus. Man wird sehen, wer von diesen beiden der wichtigere Mann im Skispringen ist.

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