Sport : Am Phlegma gescheitert

Union findet sich in einem mentalen Tief wieder

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Abschied vom Pokal. Unions Spieler verarbeiten das Scheitern in Essen. Foto: dapd
Abschied vom Pokal. Unions Spieler verarbeiten das Scheitern in Essen. Foto: dapdFoto: dapd

Sein Gang war zielstrebig in Richtung Mannschaftsbus. Uwe Neuhaus setzte sich in den Laderaum des Vehikels und zündete sich eine Zigarette an. Der Trainer von Union Berlin wollte für ein paar Augenblicke allein sein und die Geschehnisse verarbeiten. Seine Mannschaft war einige Augenblicke zuvor mit 5:6 nach Elfmeterschießen beim Viertligisten Rot-Weiss Essen in der ersten Runde des DFB-Pokals ausgeschieden. Und nicht nur in dieser Partie hatte ihm seine Mannschaft große Sorgen bereitet. Es schien, als ginge es um grundsätzlichere Fragen. „Die Essener haben sich den Sieg verdient, weil sie enorm gekämpft haben“, sagte Neuhaus, nachdem er seine Ruhepause beendet hatte. „Wir haben es nicht geschafft, in den entscheidenden Situationen den Klassenunterschied herauszuarbeiten.“

Damit stand der Vorwurf im Raum, dass seine Spieler ihre Leistungsgrenze nicht annähernd erreicht haben. So wie in der Vorwoche bei der 0:4-Heimpleite gegen Greuther Fürth. Neuhaus’ Spieler wirkten träge und ideenlos. Sie bekamen die flinken, klein gewachsenen RWE-Spieler einfach nicht richtig in den Griff. Dass auch noch der nur 1,77 Meter große Timo Brauer per Kopfball die Essener Führung gegen die langen Union-Abwehrspieler erzielte, passte ins Bild. Auch wenn Union die 2:0-Führung der Essener durch Koep in letzter Sekunde nach Treffern von Zoundi und Terodde noch ausgleichen konnten und sich überaus glücklich in die Verlängerung hatten retten können, änderte dies nichts am bedenklichen Gesamteindruck.

Selbst bundesliga-erfahrene Spieler wie Marc Pfertzel, die der Mannschaft eigentlich Souveränität und Halt geben sollen, konnten ihre Aufgabe gegen die engagierten Amateure nicht annähernd erfüllen. „Uns fehlt das Glück aber auch der unbedingte Wille, ein Spiel zu gewinnen“, sagte Neuhaus.

Wie bedenklich die augenblickliche Situation der Unioner ist, machte nicht nur die Verlängerung deutlich, in der sie sich keine Tormöglichkeit erspielten und Glück hatten, nicht selbst einen weiteren Treffer hinnehmen zu müssen. „Das Dilemma war im Elfmeterschießen zu sehen. Das war alles ohne Mumm“, sagte Neuhaus. Simon Terodde und Chinedu verschossen ihre Elfmeter.

Den Berlinern fehlt es derzeit an Selbstbewusstsein, selbst der sonst so verlässliche Kapitän Torsten Mattuschka „hat viel zu viele Bälle viel zu ungenau gespielt. Da habe ich mir mehr erwartet“, sagte Neuhaus. Der Trainer wird viel Arbeit damit haben, seine Mannschaft aus diesem mentalen Tief, das die Beine der Spieler sichtlich schwer macht, zu befreien. „Ich werde in den nächsten Tagen den Umgang mit der Mannschaft verändern“, sagte Neuhaus. „Den Druck hat sie sich selbst gemacht.“ Damit wird auch der Trainer umgehen müssen.

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