America's Cup : Das Duell der Duelle

Das Motto des America’s Cup: „Es gibt keinen Zweiten“. Ab heute wird in San Francisco auch um die Zukunft des Segelns gekämpft.

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Enge Kiste. Der neuseeländische Herausforderer (vorne) weiß, wie stark er ist. Ob das gegen Titelverteidiger Team USA reicht, wird sich zeigen.
Enge Kiste. Der neuseeländische Herausforderer (vorne) weiß, wie stark er ist. Ob das gegen Titelverteidiger Team USA reicht, wird...Foto: AFP

Er ist Amerikaner, klar, dass er den America’s Cup unbedingt haben, ihn aus Europa „zurückholen“ wollte. Larry Ellison dachte sogar, dass die ganze Welt das wollen müsste. Er würde den Cup zu einem amerikanischen Ereignis machen, zu einem Spektakel, an dem die Welt teilhaben sollte. So versprach es der Multimilliardär und Gründer des Software-Giganten Oracle. Gemessen an diesem Anspruch hat er bereits verloren. Der 34. America’s Cup, der vom heutigen Samstag an in San Francisco ausgetragen wird, ist nicht das erhoffte Spektakel geworden.

Als nächstes könnte Ellison auch auf dem Wasser verlieren. Vieles spricht dafür, dass seine Oracle-Crew dem Herausforderer aus Neuseeland unterlegen ist. Der hält den Geschwindigkeitsrekord (44,15 Knoten) und hat mittlerweile hundert Trainings- und Renntage auf seinem 72 Fuß langen Katamaran verbracht, mehr als jedes andere Team. Die Neuseeländer sind in der Planung nicht – wie Oracle-USA – durch eine Kenterung zurückgeworfen worden. Die Ausscheidungsregatten haben sie so überlegen gewonnen, dass man dasselbe Ungleichgewicht nun abermals befürchten muss. In dieser Einseitigkeit droht der Cup weiteres Renommee zu verlieren.

Es geht dabei um mehr als eine extravagant geschwungene Silberkanne. Es findet in San Francisco auch ein Wettkampf der Ideologien statt. Ellison übernimmt dabei den Part des Visionärs, der den Segelsport von Grund auf umkrempeln und abenteuerlicher machen will. „Der Sport muss für Kids attraktiv sein“, meint er.

Deshalb hat er die sehr viel rasanteren Zweirumpfboote vorgegeben, ein futuristisches Flügelsegel und Tragflächen erlaubt. Das oft dröge Segeln soll in eine neue Ära des Funsports katapultiert werden. Aber der Preis ist hoch. Die Segler werden an die Grenze dessen geführt, was sie kontrollieren können – und darüber hinaus. Der Brite Andrew Simpson kam bei einem Trainingsunfall ums Leben. Keine Mannschaft, die nicht haarsträubende Beinahekatastrophen erlebte. Kleinste Fehler haben enorme Auswirkungen. Und es ist praktisch unmöglich, einen Rückstand wieder aufzuholen.

Die Neuseeländer stehen für ein konservatives Modell. Unter welchen Bedingungen sie den nächsten Cup austragen lassen würden, falls sie das Recht dafür mit einem Triumph diesmal erringen sollten, haben sie noch nicht durchblicken lassen. Nur so viel, dass sie das Ereignis „den Menschen zurückgeben“ wollen. Was auch immer das heißt, die Rollen sind verteilt: Oracle-USA sind die Bösen, Emirates Team New Zealand (ETNZ) die Guten.

Und dann ist da noch der Betrugsfall, der als „Cupgate“ seit einigen Wochen durch die Kulissen geistert. Demnach hat Oracle-USA im vergangenen Jahr gegen Klassenregeln verstoßen. An Bord ihrer beiden kleineren Katamaranjachten vom Typ AC45 wurden unerlaubte Bauteile entdeckt, die zusätzliches Gewicht hinzugefügt und so leichte Vorteile verschafft hatten. Nun bestrafte die Jury den Titelträger mit einer Geldstrafe und dem Abzug von zwei Punkten im ausstehenden Duell gegen ETNZ. Außerdem ist Flügeltrimmer Dirk de Ridder, der in den Täuschungsversuch eingeweiht gewesen war, für den America’s Cup gesperrt.

Zwei Männer, ein Ziel. Und das steht zwischen ihnen. Jimmy Spithill (links) und Dean Barker auf der letzten Pressekonferenz vor dem Startschuss zum 34. America's Cup in San Francisco.
Zwei Männer, ein Ziel. Und das steht zwischen ihnen. Jimmy Spithill (links) und Dean Barker auf der letzten Pressekonferenz vor...

„Wir sind die Underdogs“, sagte Oracle-Skipper Jimmy Spithill. Ein Versuch, verlorene Ehre wiederzugewinnen?

Kaum etwas von dem, was Larry Ellison der Welt ankündigte, als er 2010 in Valencia den Cup in die Höhe stemmte, hat sich erfüllt. Das TV-Event der Superklasse, übertragen auf allen Kanälen, die Teilnahme von einem Dutzend Teams – der Sprung in die Zukunft des Segelns war einfach zu kostspielig. Am Ende waren es nur drei Syndikate, die das nötige Budget für den Bau eines AC72 und eine Top-Mannschaft aufbringen konnten. Livebilder gelangen als Internet-Livestream in die Welt. Kaum jemand sieht es. Trotz der grandiosen grafischen Darstellungen des Regattageschehens, trotz der wunderbaren Kommentierung (auf Englisch) und schlüssigen Wettkampfbahn.

Was ist schief gelaufen, Larry?

„Die Boote sind teurer, als wir zu der Zeit angenommen haben, in der wir die Klassenregeln entworfen haben“, erklärte der 69-Jährige kürzlich dem TV-Sender CBS. „Wir werden das für die nächste Auflage bedenken.“ Dann könne man, schlug er vor, „auch auf den 45-Fußern segeln.“

Mit dem AC45-Katamaran hatte es 2011 verheißungsvoll begonnen. Neun Teams stiegen in die World Series ein, eins kam aus China, eins aus Südkorea. Baugleiche Boote, Chancengleichheit, alles sah danach aus, als ginge es weniger um Geld, als um „das Talent“ des Einzelnen. Die Hybris des Selfmademan hat Ellison in die Irre laufen lassen. Zu groß und zu aufwendig ist die erste AC72-Generation. Und dass es auch für die besten Segler der Welt gefährlich bleibt, sie zu segeln, wäre ein schlechter Grund, das für ein Spektakel zu halten.

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