Sport : An der Grenze des Erträglichen

Nach Schalkes 1:2 in Nürnberg argwöhnt Trainer Magath, seine Spieler seien in Gedanken ganz weit weg

Jörg Strohschein[Nürnberg]

Manuel Neuer blickte so starr geradeaus, als würde er durch seinen Gesprächspartner hindurchsehen. „Es ist nicht einfach, sich darauf einzustellen, wenn alle drei Tage ein Spiel ist“, sagte der Torhüter des FC Schalke 04. Allerdings war es ein untauglicher Versuch, die schwache Leistung der Westfalen im Frankenland mit den zusätzlichen Spielen in der Champions League irgendwie zu rechtfertigen. Das erneut ernüchternde 1:2 beim 1. FC Nürnberg war bereits die fünfte Niederlage im siebten Bundesligaspiel.

Dieses ernüchternde Saison-Zwischenfazit müssen die Schalker ertragen und auch die Tatsache, dass sie weiter auf einem Abstiegsplatz verharren. Wieder einmal zeigte sich im Bundesligaalltag, dass die Westfalen noch immer ein unharmonischer Zusammenschluss von Individualisten sind. „Ich weiß auch nicht, weshalb die Spieler so wenig investiert haben“, sagte Trainer Felix Magath. „Das legt die Vermutung nahe, dass einige bereits mit den Gedanken bei ihren Nationalmannschaften sind. Darüber wird zu reden sein.“

Schalke war in keiner Phase des Spiels den eigenen Erwartungen gerecht geworden. Bereits nach wenigen Minuten der ersten Hälfte schüttelten viele der 48 584 Zuschauer im Nürnberger Stadion ungläubig den Kopf. Was sie von beiden Mannschaften in diesem Zeitraum zu sehen bekommen hatten, war am unteren Ende der Erträglichkeitsskala einzuordnen. Beide Mannschaften schienen sich darin übertrumpfen zu wollen, ihre Fehlpassstatistik in ungeahnte Höhe zu treiben. So besannen sich die Nürnberger bei gelegentlichen Angriffsversuchen vor allem darauf, aus einer massiven defensiven Grundhaltung das end- und ziellose Querpassspiel der Schalker im Mittelfeld zu beobachten. Die Mannschaft von Felix Magath dagegen spielte so umständlich und ideenlos, dass sie sich kaum einmal bis zum gegnerischen Strafraum vorarbeitete. Lediglich Nürnbergs Julian Schieber hatte nach gut einer halben Stunde und einem Alleingang eine Tormöglichkeit.

Nach der Pause setzte sich das Spiel ähnlich schleppend fort, bis Jermaine Jones Entsetzen im Stadion erregte. Der Schalker versuchte, einen Ball in die Spitze mit einer Grätsche zu erkämpfen, und rutschte dabei ungebremst mit Club-Torhüter Raphael Schäfer zusammen, der zunächst regungslos liegen blieb. Jones sah für diese unrühmliche Aktion die Gelb-Rote Karte und musste das Feld verlassen. Schäfer kam wieder zur Besinnung, konnte aber nicht weitermachen und wurde mit Verdacht auf Gehirnerschütterung ins Krankenhaus gebracht.

Diese Szene schien die Nürnberger emotional aufzuwühlen, und sie nutzten die Überzahl aus. Julian Schieber setzte sich auf der linken Seite durch, und Mike Frantz verwandelte das Zuspiel zur Führung (62.). Nach einer Energieleistung von Jefferson Farfan kamen die Schalker dann aber doch noch zum glücklichen Ausgleichstreffer. Klaas-Jan Huntelaar erzielte nach einem sehenswerten Zuspiel des Peruaners den Ausgleich (74.). Doch die Nürnberger ließen sich von diesem Zwischenergebnis nicht beeindrucken. Andreas Wolf erzielte kurz vor Schluss per Kopf den verdienten Siegtreffer. „Es war ein verdienter Sieg für meine Mannschaft“, sagte Nürnbergs Trainer Dieter Hecking und machte sich zufrieden auf den Weg zu einem gemeinsamen Abend mit seiner Mannschaft.

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