Sport : An der Kreuzung

Diego brennt auf einen Einsatz gegen den FC Bayern

Tom Mustroph[Mailand]
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Foto: dpaANSA

Vielleicht hat Diego zu früh zu viel gewollt. Zwar konnte der von Muskelproblemen geplagte Brasilianer von Juventus Turin im Kleinfeldspiel gegen seinen Coach einen Ball bereits im Flug per Hacke an die Latte zaubern. Doch im anschließenden Punktspiel der Serie A gegen Bologna, den bislang nur einmal siegreichen Abstiegskandidaten aus der Emilia Romagna, war vor allem ein Diego zu sehen, der Angst vor einer neuerlichen Verletzung hatte. „Diego ging“, schrieb die „Gazzetta dello Sport“. Statt der gewohnten schnellen Antritte, Drehungen und Finten gab es von ihm Standfußball zu sehen.

Diego unternimmt gegenwärtig alles, um im heutigen Duell der Champions League beim FC Bayern München (20.45 Uhr, live bei Sat1 und Sky) spielen zu können. Mit ihm bangen viele Turiner Fans um den Gesundheitszustand des beliebten Neuzugangs. Der ehemalige Bremer steht zwar im Kader für das Spiel in München, doch Juventus-Trainer Ciro Ferrara zögert noch.

„Ich habe einen Fehler gemacht, ich habe zu viele Spieler, die aus der Regeneration kommen, auf den Rasen geschickt“, sagte Trainer Ferrara nach dem 1:1 gegen Bologna, das für seine Mannschaft sogar noch als schmeichelhaft gelten muss. Diego muss deshalb weiter um seinen Einsatz in München bangen. „Ich fühle mich gut und verspüre keine Schmerzen“, lautete sein Fazit nach dem Spiel am Sonntag, „der Test war erfolgreich.”

Mental ist er bereit für den alten Bundesliga-Rivalen, der ihn zuletzt beinahe verpflichtet hätte. Sein Körper, versichert die medizinische Abteilung von Juventus, sei es auch. Nun muss nur noch Trainer Ciro Ferrara glauben, dass sein neuer Mittelfeldregisseur trotz des gehemmten Auftritts am Sonntag der Mannschaft weiterhelfen kann.

Ferrara ist mit 42 Jahren ein verhältnismäßig junger Trainer, Juventus ist seine erste Station als Chef. Als Novize tendiert er dazu, nach Fehlern genau das Gegenteil zu tun. Was nicht immer weise sein muss. In München auf Diego zu verzichten könnte sich als der nächste Lapsus erweisen. Der Ersatzkandidat Sebastian Giovinco konnte bislang nicht überzeugen. Ferrara postierte ihn gegen Bologna auf dem Flügel, weil er in der Zentrale keine Akzente zu setzen vermochte. Claudio Marchisio, das technisch begabte und willensstarke Mittelfeldtalent, befindet sich nach positiven Auftritten in Klub und Nationalmannschaft in einer Schaffenskrise. Der Einzige, der in die Lücke springen könnte, ist Alessandro Del Piero. Der Alt-Star hat sich wieder in Form gebracht, doch Ferrara, einst ein Defensivstratege hinter Maradona und Zidane, zweifelt an Del Pieros Fähigkeiten zum Pressing. Dieses Szenario spricht für Diegos Einsatz.

Für den Brasilianer hat sich durch seinen Wechsel nach Italien vieles geändert. Er lebt in dem Land, das er bereits als Jugendlicher besuchte und aus dem einige seiner Vorfahren stammen. Doch bei Juventus Turin verfügt er nicht über die gleiche Durchsetzungskraft wie noch an der Weser. Nach seinem Traumstart mit zwei Toren in vier Spielen, Dribblings und Tacklings verdüstern nun die muskulären Probleme seinen beruflichen Alltag. Sie erlauben ihm nicht den Einsatz, von dem sein Spiel lebt. Und weil bei Juventus Turin Kampfgeist und Laufbereitschaft auch im Jahr eins nach Trainer Claudio Ranieri noch immer als stärkere Tugenden gelten als ein gepflegt gespielter Ball, erwächst daraus ein struktureller Nachteil. Diego steht schon jetzt an einer Kreuzung bei seinem noch kurzen Aufenthalt in Turin. Wie es für ihn weitergeht, könnte ausgerechnet das Spiel gegen die alten Bekannten aus München weisen.

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