Analyse : Bayern München: Kader stark, Keeper schwach

Bayern München startet mit einer starken Mannschaft in die Saison, doch mit Michael Rensing ist die entscheidende Position zu schwach besetzt: Die Debatte um den Torwart wird anhalten.

Oliver Fritsch
Rensing
Bayerns Torhüter Michael Rensing beim Spiel gegen den VfL Wolfsburg. -Foto: dpa

Am Wochenende hat Bayerns Trainer Louis van Gaal bekannt gegeben, dass Michael Rensing seine Nummer 1 sein wird. Wenige Stunden später, während des 3:1-Pokalsieges gegen den Verbandsligisten Neckarelz, unterlief Rensing ein auffälliger Fehler, der zu Schlagzeilen führte: "Drei zu Rensing" spottet die Abendzeitung.

Vier Tage zuvor, im Testspiel gegen den AC Mailand, zeigte sich Jörg Butt sehr unsicher und war nicht in der Lage, einen harmlosen Freistoß zu halten. Zwar startet die Bundesliga erst am kommenden Wochenende, doch die Debatte um die Torwartposition könnte anhalten und den Verein in die neue Saison begleiten.

Bayern München hat auf dem Transfermarkt gut eingekauft, geht mit einem starken Kader in die neue Saison, doch die entscheidende Position im Tor könnte zu schwach besetzt sein für allerhöchste Ambitionen. Den Wunschkandidaten Manuel Neuer aus Schalke konnte Uli Hoeneß nicht verpflichten. Nun muss der Vizemeister mit Rensing und Butt vorlieb nehmen. Keine schlechten Tormänner, aber auch nicht mehr als guter Bundesliga-Durchschnitt.

Von 1994 bis 2008 gab es keine Zweifel an der Qualität des Bayern-Torhüters, der hieß Oliver Kahn. Rensings Problem war und ist es noch immer, diesen zu ersetzen. Hoeneß war es, der Rensing zusätzlich unter Druck setzte: "Er wird der legitime Nachfolger von Kahn, in München und in der Nationalelf." Das Zitat stammt aus einer Zeit, als Rensing noch kein Bundesligaspiel absolviert hatte. Von Nationalmannschaft redet inzwischen niemand mehr.

Rensings Problem scheint es zweitens zu sein, dass er Kahn zu sehr nacheifert: mit markigen Sprüchen und lautstarken Kommandos. Kahn hatte eine wesentlich bessere Reputation in der Öffentlichkeit. Gegenspieler, Schiedsrichter und vor allem seine Mannschaftskollegen schätzten ihn mehr als Rensing. In der vorigen Saison rang Rensing deshalb immer verbissener um Autorität. Vergeblich. Zumal er auf dem Platz Schwächen zeigt: Er beherrscht seinen Strafraum nicht, hält wenige "unhaltbare" Schüsse, und kann mit dem Ball am Fuß nicht außergewöhnlich umgehen.

Rensings Problem ist drittens, dass er erst im Alter von 24 Jahren zur Nummer 1 wurde, seine Konkurrenten René Adler und Neuer aber schon mit 22 und 20. Sind Rensing diese sensiblen Phasen einer Profikarriere für alle Zeit verloren gegangen? Immer wieder hatten die Verantwortlichen des FC Bayern Rensing versprochen, den Platz im Tor für ihn warmzuhalten. Spätestens 2006 nach der WM sollte es so weit sein. Doch Kahn machte weiter bis 2008.

Damit van Gaal auf Dauer an ihm festhält, muss sich Rensing steigern. Spielt er so wie in der Vorsaison, werden sich die Bayern spätestens in der Winterpause umschauen. Schon Jürgen Klinsmann wollte Rensing offenbar viel früher degradieren als im April. Vor dem wichtigsten Spiel der Saison, dem Champions-League-Hinspiel in Barcelona setzte er Rensing auf die Bank. Doch der damalige Bayern-Coach wurde von Hoeneß stets um Geduld mit Rensing gebeten. Louis van Gaal wird sich sicher nicht reinreden lassen.

Quelle: ZEIT ONLINE

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