Analyse des 1:2 : In Mainz nahm Herthas Drama seinen Anfang

"Das war der Knackpunkt für den Absturz", heißt es heute bei Hertha. Am Samstag wollen die Berliner nun Revanche nehmen, oder besser: sie müssen ganz einfach. Gegen wen wollen sie denn sonst gewinnen?

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Und hopps. Hertha verlor kurz vor Abpfiff den Überblick.Foto: ddp

Das Problem an besonderen Spielen ist, dass sie nicht beliebig wiederholbar sind, sonst wären sie ja nichts besonderes. Nach dieser Philosophie hat Michael Preetz Recht, wenn er sagt, dass das Spiel am Samstag gegen Mainz 05 für Hertha BSC kein besonderes Spiel ist, „denn für unsere Mannschaft gibt es in der Rückrunde 17 Endspiele“, und das sind schließlich die besondersten aller Spiele. Aber natürlich weiß der Manager von Hertha BSC so gut wie sein Trainer Friedhelm Funkel, dass am Samstag im Olympiastadion gegen den Aufsteiger Mainz unbedingt ein Sieg her muss. Sonst nimmt den beiden das ewige Schönreden des schlechtesten aller Tabellenplätze keiner mehr ab. Nicht das Publikum und, noch entscheidender, auch nicht die eigene Mannschaft.

Schlechter als Mainz in der Auswärtstabelle ist nur noch ...

 
Irgendwann ist mal Schluss mit Istnochallesdrin und Abgerechnetwirdamschluss. Hertha hat zwar schon eines der 17 Endspiele gewonnen, aber eben auch drei nicht, davon zwei im Olympiastadion. Ein drittes Heimspiel ohne Sieg würde die heraufbeschworene Aufholjagd ad absurdum führen, jenseits aller rechnerischen Optionen. Und gegen wen will Hertha denn zu Hause gewinnen, wenn nicht gegen die in der Fremde eher unbedarften Mainzer? Von ihren bemerkenswerten acht Saisonsiegen haben sie sieben daheim am Bruchweg erkämpft. In der Auswärtstabelle steht Mainz mit sechs Punkten auf dem vorletzten Platz. Schlechter ist nur ... Hertha, mit vier Punkten.

Hertha führte im Hinspiel bis zur 79. Minute

Es gibt da aus Berliner Sicht noch einiges zu erklären mit dem frechen Aufsteiger aus Rheinhessen. Denn in Mainz, vor langerlanger Zeit, im Hinspiel am 12. September, nahm Herthas Drama seinen Anfang. Den Fehlstart mit nur einem Sieg aus vier Spielen hätten die Berliner noch verkraften können, wahrscheinlich wäre manches anders gekommen, wenn sie die von Maximilian Nicu herausgeschossene 1:0-Führung über die Zeit gebracht hätten.

Hertha spielte nicht schön, aber zweckmäßig, ungefähr so wie in der vergangenen Saison, als ein knapper Vorsprung allzu oft für einen Sieg gereicht hätte und die Summe aller knappen Siege beinahe für einen Platz in der Champions League. Hertha hatte das Spiel locker im Griff und Mainz bis zur 79. Minute nicht ein einziges Mal erfolgversprechend aufs Tor geschossen. Aber dann wackelte der vom Mainzer Trainer Thomas Tuchel eingewechselte Adriano Grimaldi ein paar Mal mit dem Hintern und in Herthas Abwehr brach das nackte Chaos aus.

Plötzlich brach das Chaos aus

Erst schoss Grimaldi knapp übers Tor, dann zirkelte er einen Pass nach atemberaubenden Dribbling ins Nichts, beim dritten Anlauf wurde es Herthas Verteidiger Nemanja Pejcinovic zu bunt, so dass er Grimaldi einfach umtrat, dummerweise im Strafraum, was einen Elfmeter zeitigte, den Andreas Ivanschitz zum 1:1 verwandelte. Nur beim Siegtreffer von Aristide Bancé hatte der Joker nicht den Fuß im Spiel.

Adriano Grimaldi war der, den keiner auf der Rechnung hatte. Weder bei Hertha noch in der eigenen Mannschaft, wo keineswegs alle Kollegen seinen Namen kannten. Dieser Überraschungseffekt mit einem 18-jährigen No-Name-Stürmer hat nur gegen Hertha funktioniert. Grimaldi ist danach noch fünfmal eingewechselt worden, aber nie wieder aufgefallen. Mittlerweile macht er sich wieder in der zweiten Mannschaft in der Regionalliga West verdient, die spielt am Sonntag zum Rückrundenstart gegen die Reserve von Borussia Mönchengladbach.
 
1:5 in Hoffenheim, 0:4 gegen Freiburg - das war die Folge

Rasmus Bengtsson sagt heute noch: „Mainz war der Knackpunkt für den Absturz“, nicht das 1:5 in Hoffenheim oder das 0:4 zu Hause gegen Freiburg, „das waren alles Folgeerscheinungen“. Es war der Zusammenbruch in Mainz, den sie nicht verstanden und verkraftet haben. Es war das erste Bundesligaspiel des schwedischen Innenverteidigers, der helfen sollte, die von Josip Simunic hinterlassene Lücke zu füllen. Das ist bekanntlich nicht so ganz gelungen. Von dem Spiel gegen Mainz träumt Bengtsson heute noch davon, allerdings nicht besonders gut. Im Trainingslager hat auf Mallorca hat er erzählt, wie sehr er es sich wünschen würde, „im Rückspiel gegen Mainz zu spielen, um das wieder gutzumachen“.

Der Traum wird wohl nicht in Erfüllung gehen, eher könnte Roman Hubnik in der Innenverteidigung zu seinem Debüt kommen. Der Prager hat seine Muskelprobleme vollkommen auskuriert und ist laut Friedhelm Funkel „hundertprozentig in der Lage, der Mannschaft weiter zu helfen“. Einiges spricht für eine Umstellung in der Innenverteidigung, die zuletzt in Bremen nicht den allersichersten Eindruck machte. Vielleicht schiebt Funkel Arne Friedrich auf seinen Nationalmannschaftsposten des rechten Verteidigers, gönnt dem flatterhaften Lukasz Piszczek ein Päuschen und versucht es mit der schweizerisch-tschechischen Innenverteidigung Hubnik/von Bergen.

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