Sport : Andere fahren weiter

Jan Ullrichs Kollegen haben wenig zu befürchten

Mathias Klappenbach

Berlin - Vergangenes Jahr haben die Profis ihr Rad bei der Flandern-Rundfahrt geschoben. Nicht etwa, weil sie entkräftet waren oder die falschen Mittel eingenommen oder sie falsch dosiert hatten. Wieder einmal waren am berüchtigten Koppenberg viele Fahrer gestürzt, und nur wenige schafften in dem Chaos auf der Straße die zwanzigprozentige Steigung im Sattel. Das Durcheinander hatte Konsequenzen: Der berühmte Anstieg wurde für diesen Ostersonntag aus dem Kurs eines der prestigereichsten Radrennen entfernt, obwohl doch in den Jahren zuvor der gefährliche Kopfsteinpflasterbelag schon ausgebessert worden war. Und sonst? Was hat sich eigentlich in der Praxis geändert in der Saison Nummer eins nach dem großen Dopingskandal, außer dass Jan Ullrich nicht mehr mitfährt?

„Das Rennen ist korrekter verlaufen als in den letzten Jahren. Das gibt mir Hoffnung, aber mit Blick auf die letzte Etappe sehe ich diese Hoffnung als sehr fragil an“, hatte Eric Boyer, der Teamchef von Cofidis, dem Internetdienst „radsport-news.com“ gesagt. Das war vor drei Wochen, nach dem ersten Rennen der Pro Tour Paris – Nizza. Der Franzose meinte die neue Ausgeglichenheit im Feld während der Fernfahrt. „Es sind weniger Rennfahrer, die über allen anderen stehen. Die, die vorne sind, haben jetzt nur eine Hand voll Sekunden Vorsprung – und die, die in den letzten Jahren in keine Skandale verwickelt waren, sind wieder vorne dabei“, sagte Boyer. Innerhalb der Rennen ist von Experten offensichtlich eine Veränderung wahrzunehmen. „Es gibt immer noch Dinge im Rennen, die mir sagen, dass nicht alles vorbei ist. Aber man ist auf einem guten Weg“, sagte der Teamchef von Bouyges Telecom, Jean René Bernedeau.

Die von den Teamchefs beschriebenen Zeichen für eine neue Ausgeglichenheit werden ihre Gründe haben. Die meisten Teams haben dezidierte Anti-Doping-Bestimmungen inklusive der Verwendung von DNS-Proben ihrer Profis verabschiedet, und in den Fahrerverträgen ist festgelegt, dass die Sportler auch finanziell büßen müssen, wenn sie dagegen verstoßen. Ihre Arbeitgeber befürchten inzwischen wirtschaftlichen Schaden durch die Abkehr von Sponsoren, die ihr Image nicht mehr durch Dopingskandale riskieren wollen.

Dieser Druck könnte einen langsamen Prozess in Gang gesetzt haben. Einen sehr langsamen, denn außer Jan Ullrich und dem Deutschen Jörg Jaksche, der wegen des Dopingverdachtes keinen neuen Arbeitgeber findet, hat es keinen Fahrer bisher beruflich existenziell hart getroffen. So kann der ebenfalls dringend des Dopings verdächtigte Ivan Basso genauso Rennen fahren wie mehr als vierzig weitere verdächtigte Fahrer – die meisten von ihnen im Gegensatz zu Basso allerdings in zweitklassigen Teams unterhalb der Pro Tour, wo es weniger Geld zu verdienen gibt.

Die sportrechtlichen Verfahren gegen die Fahrer in Ländern wie Italien oder Spanien sind eingestellt beziehungsweise ruhen, offiziell bis die spanischen Ermittlungsbehörden weitere eventuelle Beweise freigeben. So entledigt sich der Radsport gefährlicher Passagen auf der Strecke wie bei der Flandern-Rundfahrt, seiner Existenz gefährdenden Fahrer hat er sich trotz der zarten Besserungstendenzen aber nicht entledigt.

Jan Ullrich wurden die mit den mäßig verschleiernden Codes wie „Jan“, oder „Hijo Rudicio“ gekennzeichneten Blutkonserven jetzt zweifelsfrei zugeordnet. In der Frage, ob die Ermittler mit ihren Zuordnungen anderer Blutkonserven richtig liegen, hilft dies aber nur wenig weiter. Ist „Bella (Jorg)“ oder „J.J.“ der Profi Jörg Jaksche mit dem genauso lautenden Spitznamen? Ist „Birillo“ Ivan Basso, wegen seines gleichnamigen Hundes? Und meint „Valv.(piti)“ Alejandro Valverde mit dessen treuem Tier?

Das ist nun noch wahrscheinlicher geworden, weil die Codes für Ullrich auch so simpel waren. Ansonsten folgt daraus aber erst einmal nichts. Die anderen Verfahren ruhen, es darf weitergefahren werden. Der schwierigste Berg, die Fahrt zurück in die Vergangenheit, ist nicht im Programm.

Jan Ullrichs Zukunft: Seite 2

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