Sport : Andreas Köpke: Der ideale Zeitpunkt zum Aufhören

Sommer 1986, Bundesliga-Auftakt in Bremen. Ein Mann namens Andreas Köpke, damals völlig unbekannt, steht im Tor des 1. FC Nürnberg. Dass der junge Mann aus Kiel mal ein ganz Großer wird im deutschen Fußball, ahnt an diesem Nachmittag niemand. Der Erstliga-Debütant, damals 24 Jahre alt, kassiert gleich fünf Gegentore. 15 Jahre später, an diesem Sonntag, bestreitet Köpke sein letztes Spiel für den "Club": Saison-Kehraus beim Wiederaufsteiger gegen den FC St. Pauli.

"Völlig ohne Wehmut", wie Köpke betont, "denn wenn jetzt Emotionen oder Zweifel hochkommen würden, hätte ich irgendwas falsch gemacht." Schon in der Winterpause hat sich der mittlerweile 39-Jährige entschieden, die Karriere nun zu beenden: "Es gab sicher auch ein paar Aspekte, die dagegen gesprochen haben. Aber ich denke, nach diesem tollen Jahr mit dem Wiederaufstieg in die Bundesliga habe ich den idealen Zeitpunkt gewählt."

Ein Aufstieg hat noch gefehlt in seiner umfangreichen Sammlung an Höhen und Tiefen des Fußballs. Abgestiegen ist er gleich fünfmal, zweimal mit den Nürnbergern. Es finden sich aber auch genügend Lichtblicke in seinem sportlichen Lebenslauf. Allen voran natürlich der Gewinn der Europameisterschaft in England 1996, in jenem Jahr, in dem Köpke auch zum Welt-Torhüter gewählt wurde. 1993 kürten ihn Deutschlands Sportjounalisten zum Fußballer des Jahres. "Ein Titel, mit dem nicht viele Torhüter ausgezeichnet worden sind", sagt er heute noch voller Stolz.

Der gelernte Kfz-Mechaniker hat es auf immerhin 59 A-Länderspiele gebracht. Und auch die 346 Bundesliga-Einsätze können sich sehen lassen, zumal Köpke gut zwei Jahre lang in Frankreich bei Olympique Marseille gespielt hat. In der Bundesliga hat der Norddeutsche, der sich längst als Franke fühlt, auch zwei Elfmeter verwandelt.

Der "Held von Wembley", der 1994 nach dem Bundesliga-Abstieg des 1. FCN für fünf Jahre auf "Wanderschaft" (Eintracht Frankfurt und Olympique Marseille) ging, wechselt nun ins Management des Wiederaufsteigers. Er soll in Abstimmung mit Vermarkter Ufa Sponsoren gewinnen und betreuen. "Das ist genau die Richtung, in die ich gehen wollte", betont Köpke, der auch den DFB-Trainerschein besitzt. Doch ein Trainerjob kam für ihn nicht in Frage, "jetzt zumindest noch nicht".

Einen großen Auftritt als Torwart wird Köpke noch haben nach dem letzten Pflichteinsatz am Sonntag gegen St. Pauli: Am 15. Juli steigt im Frankenstadion sein offizielles Abschiedsspiel. Dabei soll der Stamm der Europameister-Mannschaft von 1996 gegen die aktuelle "Club"-Elf spielen.

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