Sport : Anfang und Ende

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Stefan Hermanns über die verzwickte Situation bei Hertha BSC

In Dortmund hat alles angefangen, und in Dortmund könnte alles zu Ende gehen. Im Westfalenstadion hat Huub Stevens Hertha BSC zum ersten Mal betreut, und wenn alles normal läuft, die Berliner also im Pokal an Werder Bremen scheitern und gegen die immerhin noch heimstarken Dortmunder verlieren, könnte Stevens im Westfalenstadion am Samstag zum letzten Mal auf Herthas Trainerbank sitzen. Das wäre der gewohnte Gang der Dinge, aber nach der wundersamen Wendung in Sachen Stevens bleibt bei Hertha auch weiterhin alles im Konjunktiv stecken.

Vielleicht darf Stevens ja doch noch bis zur Winterpause bleiben und nach einem glücklichen 1:1 beim 1. FC Köln zum Abschluss der Hinrunde auch darüber hinaus. Dieter Hoeneß jedenfalls, der Manager, steht weiterhin hinter dem erfolglosen Trainer. Anstatt Stevens zu entlassen, hat er wieder die Spieler angegriffen. Warum macht Hoeneß das? Weil jemand, der in seinem Berufsleben fast nur Erfolge erlebt hat, eigene Fehler schwer eingestehen kann? Aus Trotz? Schlimmer: Hoeneß handelt aus Überzeugung. Er will das Richtige, erreicht aber das Falsche. Und egal, wie er sich entscheidet, am Ende scheint alles zur Katastrophe zu führen. Das ist eine – im klassischen Sinne – tragische Situation.

Aber Hoeneß glaubt eben immer noch, dass Stevens der richtige Trainer für Hertha BSC ist; er glaubt auch immer noch, dass Stevens die Wende schafft. An Jürgen Röber, so lautet Hoeneß’ Argumentation, hat er schließlich auch festgehalten, als das ganze Stadion dessen Entlassung forderte. Inzwischen wird Röber in Berlin gefeiert.

Hertha ist nach den Niederlagen gegen biedere Kaiserslauterer und Schalker wieder ungefähr da, wo die Mannschaft und Stevens waren, bevor der Trainer mit einem Ultimatum eine letzte Chance bekam. Ungefähr. Denn die Rahmenbedingungen haben sich seitdem erheblich verschlechtert. Klaus Toppmöller, ein Kandidat für Stevens’ Job, hat inzwischen einen neuen Verein gefunden; Kjetil Rekdal ist mit seinem Klub in die dritte Runde des Uefa-Cups eingezogen, und überhaupt hat Hertha zuletzt erheblich an Reiz eingebüßt. Für einen Trainer von internationalem Format reicht es nicht mehr.

Hertha steckt im Abstiegskampf. Dass alle Beteiligten dies inzwischen erkannt haben, unterscheidet den Klub immerhin von den Leverkusenern, die ihre Krise im Vorjahr viel zu lange als vorübergehende Konjunkturdelle deuteten. Die wahren Fehler hat Bayer erst sehr viel später gesehen. Heute sagt Manager Reiner Calmund, er hätte Klaus Toppmöller, seinen Trainer, früher entlassen müssen.

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