Sport : Angst vor der Startbox

Galopptrainer Rölke setzt beim letzten Rennen der Saison in Hoppegarten auf die zweijährige Mandoline

Ingo Wolff

Hoppegarten. Mandoline wird etwas aufgeregt sein, wenn sie kurz vor halb fünf in die enge Box muss. Doch keiner wird ihr das übel nehmen, denn die Pferdedame ist erst zwei Jahre alt. Ein wahrer Jungspund eben. Viermal ist die Stute in ihrem Leben bislang gelaufen, und da fehlt ihr noch die Routine, um gelassen in die Startmaschine zu marschieren. So wie ihr wird es aber auch den anderen 15 Stuten, Hengsten und Wallachen gehen, die heute beim sechsten Rennen, dem „Criterium der Zweijährigen“, auf der Galopprennbahn Hoppegarten (Beginn 13 Uhr) starten werden.

Ein wahrer Kindergarten wird da nach dem Öffnen der Boxen auf das Geläuf rasen. Mandoline sollte sich unter ihren Altersgenossen gut behaupten können. Allenfalls Maguire vom Hoppegartener Trainer Lord John FitzGerald könnte Mandoline auf den 1400 Metern vorauseilen. Das hofft jedenfalls Martin Rölke. Der 57-Jährige trainiert die schwarzbraune Stute und erhofft sich von ihr große Erfolge. Denn Mandoline trägt ein bedeutendes Stück Hoppegartener Geschichte in sich. Ihr Vater ist der berühmte Hengst Artan. Er zaubert den Veteranen auf der Bahn auch sechs Jahre nach seinem Karrierenende einen verklärten Blick ins Gesicht. Rölke hat das erfolgreichste ostdeutsche Pferd nach der Wende trainiert und an die europäische Spitze geführt: Norwegisches Derby, große Siege in Marseille und Rom. Mandoline ist nun eine der ersten Nachkommen.

Sie bietet Rölke eine Chance, an alte Erfolge anzuknüpfen. In den siebziger und achtziger Jahren war er einst der populärste Jockey Ostdeutschlands. Heute ist der Ruhm etwas verblasst. Der kleine Trainer mit den wuschligen grauen Haaren schlurft mit seinen Kollegen zur Klubtribüne, um sich von dort die Rennen anzusehen. Zuletzt hatten sie nicht viel zu lachen. Ein großer Hoppegartener Sieg in einem großen Hoppegartener Rennen blieb in den vergangenen Jahren die Ausnahme. Die Klasse der Pferde ist eher mittelmäßig. „Von den Querelen um die Eigentumsverhältnisse auf der Bahn wurden Besitzer abgeschreckt“, sagt Rölke. „Das wirkt immer noch nach und lässt sich in zwei oder drei Jahren nicht beheben.“

Das „Criterium der Zweijährigen“ ist nur Pferden von Trainern aus den neuen Bundesländern vorbehalten. 26 000 Euro gibt es für die 16 Jungpferde zu gewinnen, 13 500 davon für den Sieger. Das wäre ohnehin nicht genug, damit sich die lange Anreise aus Köln oder München lohnt, wo heute ebenfalls Renntage stattfinden. Mangels großer Konkurrenz schickt Rölke deshalb gleich drei Pferde ins Rennen. Neben Mandoline werden auch die beiden Hengste Orje und Brokat laufen. Es sind drei von 20 Pferden, die Rölke derzeit im Training hat. „Früher waren es mal 50“, erzählt er wehmütig. Mit dieser Saison ist er aber nicht unzufrieden. 40 Mal kamen seine Pferde auf einen der ersten drei Plätze, zwölfmal waren sie ganz vorn. Am vorigen Wochenende sogar sensationell bei einem internationalen Gruppe-Rennen, dem Sprint-Preis in München. Da schlug König Shuffel, Rölkes bestes Pferd im Stall, die hoch geschätzte Konkurrenz. Das war für Rölke der Höhepunkt der Saison.

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