Sport : Angst vor leeren Händen

Den SCC-Volleyballern bleibt nur noch ein Ziel

Karsten Doneck

Berlin - Jaroslav Skach verschwand unmittelbar nach der Rückkehr aus Paris. Der Zuspieler des Deutschen Volleyball-Meisters SC Charlottenburg machte sich vom Flughafen Tegel aus schnurstracks auf den Weg in seine Heimat – nach Tschechien. In äußerst gedrückter Stimmung. Ursache dafür waren weniger die beiden sportlichen Misserfolge, die sich der SCC innerhalb von nur vier Tagen eingehandelt hatte: erst am Sonntag die 2:3-Niederlage im Pokalfinale gegen den VfB Friedrichshafen, dann am Mittwoch das Aus in der Champions League mit 2:3 bei Paris Volley.

Doch solche Niederlagen können schnell zur Nebensache werden: Jaroslav Skach war kurz vor dem deutschen Pokalfinale in Bonn davon unterrichtet worden, dass seine Mutter gerstorben ist. Der 29-Jährige brach in der Kabine in Tränen aus, wollte aber trotz seiner Trauer unbedingt spielen. Sein sonstiges hohes Leistungsniveau erreichte er weder gegen Friedrichshafen noch in Paris.

Trainer Mirko Culic hat Skach jetzt erst einmal trainingsfrei gegeben. Am Sonntag fährt der 1,94 Meter große Zuspieler dann mit dem Auto von Tschechien aus nach München, um dem SCC bei der Rückkehr in den Bundesliga-Alltag beim TSV Unterhaching zu helfen. Anschließend kehrt er nach Tschechien zurück, am Montag ist die Beerdigung seiner Mutter. „Wir hoffen, dass er sich danach schnell wieder fängt“, sagt Günter Trotz, der Geschäftsführer des SCC.

Auch die Mannschaft des SCC muss sich jetzt erst einmal wieder sammeln. Von einer Woche, „in der wir für unseren Verein Geschichte schreiben können“, hatte SCC-Manager Kaweh Niroomand im Vorfeld der hochkarätigen Aufgaben in Pokal und Champions League gesprochen. Und nun? Auf „sehr bittere Tage“ blickt Niroomand zurück. In erster Linie richten sich die Charlottenburger nun daran auf, dass sie sowohl gegen Friedrichshafen als auch in Paris mit dem knappsten aller Resultate verloren haben, jeweils 14:16 im fünften Satz, dem Tiebreak. „Die Spiele waren eigentlich unentschieden“, sagt Niroomand.

Dass der SCC in beiden Fällen scheiterte, lag auch am Versagen einzelner Leistungsträger. Im Pokalfinale in Bonn erwischte Marko Liefke einen rabenschwarzen Tag. Die Angriffsaktionen liefen deshalb verstärkt über Robert Kromm, und als der 20–Jährige am Ende des Tiebreaks zum Matchwinner hätte werden können, da fehlten ihm Kraft und Konzentration: Zwei Bälle verschlug er zu den entscheidenden Punkten für Friedrichshafen. In Paris galten umgekehrte Vorzeichen: Kromm schwächelte, dagegen spielte Liefke zumindest phasenweise stark auf. Zudem wollte der SCC den Erfolg mit Gewalt erzwingen. Der Mannschaft unterliefen dabei 31 Aufschlagfehler, den Franzosen nur sieben. „Vielleicht hätten wir das Risiko etwas reduzieren müssen“, sagte Trotz.

Um die Enttäuschung zu kompensieren, bleibt dem SCC in dieser Saison nur noch die Bundesliga. TSV Unterhaching und VV Leipzig heißen dort die nächsten Gegner. Statt 3800 Zuschauer – wie beim Pokalfinale in Bonn – werden nur ein paar Hundert kommen. „Da jetzt zurückzufinden, das ist unheimlich schwer und unheimlich gefährlich“, sagt Niroomand. Alle Konzentration gilt dem letzten verbliebenen Saisonziel: Der SCC will seinen Titel als Deutscher Meister erfolgreich verteidigen. Dass die Mannschaft ins Play-off-Finale, Beginn am 23. April, einzieht, daran zweifelt niemand. Aber im Endspiel wird höchstwahrscheinlich erneut der VfB Friedrichshafen der Gegner sein. Niroomand warnt: „Wir müssen verdammt aufpassen. Eine im Prinzip bisher recht gut verlaufene Saison darf jetzt nicht zur großen Enttäuschung werden.“

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